
Monika Piel ist seit 1. Januar nicht mehr nur Intendantin des Westdeutschen Rundfunks, sondern obendrein auch noch ARD-Vorsitzende. Die Frau, die mehr Gehalt bezieht als der Bundespräsident, hat anlässlich dessen der TAZ ein Interview gegeben. Es ist schon interessant, wie sehr sie sich in allgemeine Formulierungen flüchtet und unterm Strich im Grunde eines deutlich werden lässt: An den Inhalten und Strukturen der öffentlich-rechtlichen Sender wird nichts geändert, alles bleibt so wie es ist.
Kritik an einem künftigen Überangebot von rituellen Talkrunden im ersten Programm bügelt sie ab mit dem Satz “Medienjournalisten sehen das Programm anders als glücklicherweise das Publikum”. Schließlich seien ja die Quoten gut. Allein dieser Satz zeigt, dass “Emma Piel” lieber jede Kritik mit einem verbalen Karateschlag weghaut anstatt sich damit mal auseinanderzusetzen. Die Quote – sie gilt der ARD-Chefin als das Maß aller Dinge, und sie spricht auch bereits dem teuer eingekauften Günther Jauch die erste Drohung aus. Zugleich jammert sie über angeblich knappe Kassen und dass der WDR pro Jahr mindestens 50 Millionen Euro einsparen müsse. Wie es zu einer solchen Finanzsituation kam (sofern sie überhaupt stimmt), sagt sie natürlich nicht. Bei Frau Piel gilt: Wir geben das Geld mit vollen Händen aus und wenn dann nichts mehr da ist, dann heulen wir öffentlich herum und fordern eine Gebührenerhöhung. Und die kommt ja auch, denn ab 2013 werden ARD und ZDF deutlich mehr Einnahmen haben, was Frau Piel auch hier wieder bestreitet: “Wir hoffen, dass wir weiter ungefähr soviel an Beiträgen hereinbekommen wie 2009.” Interessant ist, dass sie offenbar Angst vor den 16 Länderparlamenten hat, die ja alle noch dem neuen Gebührenmodell zustimmen müssen: “Bei den vielen Wahlen, die anstehen, dürfte der ein oder andere Politiker auf die Idee kommen, das Thema Gebühr populistisch zu nutzen.” Klar, sobald die Zwangsgebühr – und anders kann man das ab 2013 ja nicht mehr bezeichnen – kritisiert wird, geschieht dies nur aus populistischen Gründen. Warum hat denn nicht eine der vielen Talkrunden im Ersten mal dies zum Thema gemacht? ARD und ZDF vermeiden jegliche Diskussion um das neue Modell – und dann wird Kritik daran als Populismus abgestempelt. Unfassbar!
Mindestens genauso entlarvend ist das Interview, das Frau Piel dem “Tagesspiegel” gegeben hat. Das geht schon bei der Behauptung los, dass “alle Hartz-IV-Empfänger” von der Rundfunkgebühr befreit seien – was so nicht stimmt! Immerhin gesteht sie “Taubblinden” zu, dass diese sich “auf Antrag” gern von der GEZ-Gebühr befreien lassen können – als wenn ein blinder und zugleich tauber Mensch überhaupt in irgendeiner Weise Radio und Fernsehen nutzen könne. Und: Im “Tagesspiegel”-Interview sagt sie plötzlich, dass sie nicht wisse, ob das neue Gebührenmodell mehr Geld in die Kassen bringe – wo sie dies gegenüber der TAZ noch ausgeschlossen hatte… Und dass sie auch noch in Erwägung zieht, eventuell Geld zu nehmen für öffentlich-rechtliche Apps, zieht sogar Stefan Niggemeier die Schuhe aus.
So, genug geärgert! Als kleine Auflockerung zum Ende noch etwas, was ich im Fundus meiner Eltern gefunden habe: einen Informationstext zur Rundfunk- und Fernsehgebühr aus dem Jahr 1960. Damals brauchte man offenbar noch eine Genehmigung, um einen Fernseher oder ein Radio zu benutzen – der Spaß kostete fünf D-Mark im Monat…


geschrieben am 03.01.2011 um 19:27 von Fernsehkritiker · 27 Kommentare Kommentar hinterlassen