Kennen Sie diesen Mann? Das ist Nils Schmid, Spitzenkandidat der baden-württembergischen SPD. Keine Sorge, wenn Sie ihn nicht kennen: Er wird sowieso keinen Blumentopf gewinnen bei der Landtagswahl am 27. März. Derzeitigen Umfragen zufolge liegt die SPD bei mageren 20% – sollte es zu einem Regierungswechsel im Ländle kommen, werden die Grünen, die derzeit bei 27% liegen, den Ministerpräsidenten stellen. Hierfür kandidiert der sehr viel bekanntere grüne Politiker Winfried Kretschmann. Wer also nach der Wahl Regierungschef in Baden-Württemberg wird, entscheidet sich zwischen Kretschmann und dem derzeitigen Amtsinhaber Stefan Mappus (CDU). Alle anderen Annahmen wären absurd. Jüngste Umfragen sehen Grün-Rot bei 47% und Schwarz-Gelb bei 45% – wobei die FDP bei 5% herumdümpelt, deren Einzug in den Landtag also nicht mal sicher ist.

Umso erstaunter ist nun die Öffentlichkeit, dass der Südwestrundfunk (SWR) am 16. März ein Fernsehduell ausstrahlen wird – und zwar zwischen Mappus und Herrn Schmid von der SPD. Kretschmann bleibt außen vor – obwohl er doch derzeit am wahrscheinlichsten künftig der Ministerpräsident sein wird. Der SWR hatte zuvor die Idee, alle drei Spitzenkandidaten einzuladen – was Mappus aber ablehnte, da er es als unfair empfand, sich zwei Herausforderern zugleich stellen zu müssen. Die SPD selbst will natürlich nicht verzichten – denn dieses Duell ist eine der wenigen Gelegenheiten für den blassen Herrn Schmid, sich mal ein bisschen zu profilieren. Aber das kann ja kein Argument sein: Schmid hat null Chance auf das Amt des Ministerpräsidenten – also hat er auch in einem solchen Duell nichts zu suchen.

Der SWR redet sich nun mit dem Argument heraus, dass die SPD ja schließlich bei der derzeitigen Sitzverteilung im Stuttgarter Landtag die stärkste Oppositionspartei sei. Somit gelte Schmid nun mal auch als Oppositionsführer – allen Umfragen zum Trotz. Dies sei angeblich sogar eine “rechtliche” Entscheidung, denn bedeutsam seien ja schließlich Ergebnisse vergangener Wahlen und nicht “Umfragetrends”. Als kleinen Ausgleich wolle man Winfried Kretschmann aber am 17. März bei einer Gesprächssendung mehr Sendezeit einräumen als den anderen Kandidaten.

Komisch nur, dass ARD und ZDF bei jeder Gelegenheit Umfragen zur Grundlage ihrer Berichterstattung machen und sogar selbst welche in Auftrag geben. Und nun plötzlich sollen die nicht mehr bedeutsam sein? Der Hase liegt natürlich woanders begraben: Die SPD hat viel Einfluss im SWR, nicht zuletzt durch ihre absolute Mehrheit im ebenfalls im Sendegebiet liegenden Rheinland-Pfalz und den langjährigen Ministerpräsidenten Kurt Beck. Klar, dass man einer Ausladung von Herrn… wie hieß er?… Schmid niemals zustimmen würde. Eine allzu durchsichtige Schmierenkomödie, die die Zuschauerinnen und Zuschauer im Ländle mit ihren Gebühren auch noch bezahlen.


geschrieben am 02.02.2011 um 18:43 von Fernsehkritiker ·   31 Kommentare Kommentar hinterlassen

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