Was ich während meiner Zeit beim Norddeutschen Rundfunk immer wohlwollend zur Kenntnis genommen habe, war die geradezu pedantische Aufsicht darüber, dass Texte in ordnungsgemäßer Grammatik und ohne Rechtschreibfehler veröffentlicht werden. Artikel etwa für den Online-Auftritt des Senders wurden genauestens nachgelesen, bevor sie zur Veröffentlichung freigegeben wurden.
Umso mehr wundert mich, dass das Nachrichten-Laufband beim ebenfalls öffentlich-rechtlichen Sender PHOENIX offenbar so gut wie gar nicht kontrolliert wird. Ich weiß nicht, wer dort für die aktuellen Nachrichten zuständig ist – aber man sollte ihr oder ihm mal mehr auf die Finger schauen. Dass es mal einen Schreibfehler gibt oder sich bei einer nachträglichen Veränderung des Satzbaus ein Fehler einschleichen kann, ist menschlich und passiert mir ebenso. Aber dass solche Fehler stundenlang über den Sender gehen, ohne dass es irgendwem auffällt, ist schon erstaunlich.
Hier zwei Beispiele vom heutigen Morgen:


Dieses Beispiel ist von gestern Abend:

Wiederum vom heutigen Morgen sind die folgenden beiden Sätze, die zwar keinen Schreibfehler enthalten, aber dennoch im Zusammenhang irre wirken: “Der CDU-Generalsekretär sieht die Kanzlerin auch nach dem Abschneiden seiner Partei bei den Landtagswahlen fest im Sattel. In der ARD ging er zudem davon aus, dass ‘die Mehrheit’ der sieben abgeschalteten AKWs dies auch bleibe.” Was bleibt die Mehrheit der sieben abgeschalteten AKW? Fest im Sattel? Und übrigens: Streng genommen ist der Plural von AKW auch AKW, das s hinten dran hat da nichts zu suchen. Beim NDR zumindest hätte man mir das um die Ohren gehauen.

Ein besonders heftiger Fehler ist gestern der ARD passiert. In einer Grafik, die uns Moderator Jörg Schönenborn präsentierte, war Baden-Württemberg falsch geschrieben:

Nun ja, werden Sie sagen, das kann passieren. Und irgendwem wird der Fehler dann schon aufgefallen sein. Von wegen: Während dieser Fauxpas bereits kurz nach der 18-Uhr-Prognose zu sehen war, existierte er mehr als fünf Stunden später bei einer Spät-Analyse auf PHOENIX immer noch:

Ich frage mich wirklich, wie in solchen Redaktionen eigentlich gearbeitet wird – und ob es offenbar niemanden interessiert, was so über den Sender geht. Aber dies gilt ja auch mehr und mehr für die Programminhalte der Öffentlich-Rechtlichen an sich – insofern unterm Strich kaum erstaunlich.
Nicht ganz sicher bin ich mir übrigens, ob im folgenden Beispiel “anvisiert” korrekt ist oder ob es “avisiert” heißen muss. Meine Recherche dazu ließ mich hinterher umso verwirrter zurück.

geschrieben am 28.03.2011 um 12:46 von Fernsehkritiker · 88 Kommentare Kommentar hinterlassen