Am heutigen Tag hat mich eine bemerkenswerte Pressemitteilung erreicht. Darin geht es um die Gründung der “Deutschen Content Allianz”. Diese Allianz besteht unter anderem aus Filmwirtschaft, privaten TV-Sendern, dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und dem Bundesverband Musikindustrie. Die Allianz fordert, wenn auch verklausuliert formuliert, einen effektiveren Kopierschutz und ein verschärftes Urheberrecht – angesichts einer angeblichen “Gratis-Kultur” im Internet. Über die Frage, ob wir das wirklich brauchen und ob die Rechtslage nicht auch jetzt schon so ist, dass das Klauen kreativer Ideen ausreichend genug bekämpft werden kann, könnte ich seitenlang philosophieren. Interessant ist auf jeden Fall, dass Vertreter der digitalen Welt selbst dem Bündnis nicht angehören – so als entstehe im Internet keine Kreativität, sondern dort nur bei den klassischen Medien geklaut würde. Dass die Tendenz eigentlich eher gegenteilig ist, also gerade das Netz ein Pool kreativer Menschen ist, verschweigt die Allianz.
Doch das soll gar nicht mein Thema sein. Die für mich viel entscheidendere Frage ist: Was haben ARD und ZDF in diesem Bündnis zu suchen? Die Öffentlich-Rechtlichen sind ein allgemeines Gut - so definieren sie sich selbst. Gern werden bildhafte Vergleiche gezogen wie: “Eine Straße muss auch von allen bezahlt werden, auch wenn sie nicht jeder benutzt.” Aha! Das bedeutet doch aber in bezug auf die Inhalte von ARD und ZDF: Wir alle haben diese Inhalte mit unseren Gebühren bereits finanziert, also gehören sie auch uns allen. Ich frage mich ernsthaft, wie die Öffentlich-Rechtlichen dazu kommen, sich in die Reihe derer einzureihen, die ihre Kreativität nur durch Profit finanzieren können und daher durchaus nachvollziehbar auch ein Interesse haben, geistiges Eigentum zu schützen. Die öffentlich-rechtlichen Sender dürfen keinen Profit machen – welches Interesse also haben ARD und ZDF, hier gemeinsam mit der kreativen Privatwirtschaft in ein Horn zu blasen? Ganz einfach: Sie ärgern sich darüber, dass Inhalte aus ihren Programmen im Netz auftauchen. Und sie ärgern sich noch mehr darüber, dass dies manchmal sogar kritisch kommentiert wird. Das kann ich aus deren Sicht sogar nachvollziehen – darf aber kein Grund sein, tatsächlich etwas für sich zu beanspruchen, was eigentlich allen gehört. Umso bemerkenswerter, dass die CDU/CSU sofort reflexartig die Forderungen der Allianz unterstützt, ohne aber die Allianz an sich in ihrer Zusammensetzung zu hinterfragen.
geschrieben am 13.04.2011 um 22:01 von Fernsehkritiker · 27 Kommentare Kommentar hinterlassen