
So, das sehr schöne Live-Treffen in Bielefeld liegt hinter uns. Um die 150 Leute waren dort, es hat viel Spaß gemacht. Mein Dank geht an dieser Stelle auch nochmal an die beiden Organisatoren Tim (Foto oben rechts) und Mathias (Foto oben mitte), die sehr engagiert das ganze Spektakel vorbereitet haben.
Wer noch einmal in das Treffen hineinschauen möchte:Ich habe auf unserem Kanal den finalen Teil mit den Zuschauerfragen an Klaus Kauker, Lars Golenia und mich online gestellt. Blackm4niac hat auf YouTube noch weitere, von ihm selbst gedrehte Teile online gestellt. Wer das sehen möchte, möge HIER klicken. Eine gemütliche Nachlese vom kommenden Vormittag von Lars, Klaus und mir hat Lars auf seinem Channel online gestellt. Die Auftritte von Klaus und Lars auf dem Live-Treffen selbst werden noch geschnitten und zeitnah auf deren Channels (Lars, Klaus) veröffentlicht.
Wo das nächste Live-Treffen sein wird, ist noch nicht sicher. In jedem Fall ist für den Sommer eines in Köln geplant (aufgrund der juristischen Auseinandersetzungen mit RTL werde ich ja sicher mehrmals dort sein), auch Dresden und München sind in die Pipeline. Treffen in Berlin (vermutlich Folge 100) und Hamburg sind dann wieder für den Herbst geplant.
Wer mich und andere YouTuber am Samstag, den 31. März, in Düsseldorf persönlich treffen möchte, der möge jetzt schnell handeln, denn für das YouTuber-Treffen in der Tonhalle (von 15 bis 18 Uhr) gibt es nur begrenzt Karten. Und da die YouTube-Superstars Y-Titty auch dort aufkreuzen, ist damit zu rechnen, dass die Tickets bald weg sind. Also, wer Interesse hat, zu dem YouTuber-Treffen in Düsseldorf zu kommen, der möge sich HIER rasch ein Ticket sichern. Es kostet 5 Euro. Wir sehen uns in Düsseldorf!
geschrieben am 21.03.2012 von Fernsehkritiker · 6 Kommentare Kommentar hinterlassen
So! Das, was seit einigen Wochen bereits über der Fernsehwelt schwebte, ist nun beschlossen: Markus Lanz wird der neue Moderator von “Wetten, dass…?”. Als ich vor über einem Jahr zur Nachfolge-Frage einen Blogtext schrieb, erwähnte ich Lanz bereits als möglichen Nachfolger – ohne zu ahnen, dass das wirklich eine realistische Option sein könnte. Aber es gilt, was ich damals schrieb: Beim ZDF haben immer zuerst diejenigen Chancen, die beim Sender tätig sind und erst recht dann, wenn sie sich loyal verhalten. Als Günther Jauch mit “Stern TV” aufhörte, klopfte Lanz’ ehemaliger Haussender RTL an, um ihn als Nachfolger anzuwerben – Lanz lehnte ab und blieb beim ZDF. Sowas wird belohnt.
Aber wird Lanz der Aufgabe, den großen Schuhen nun gerecht? Nein. Das hätte man aber vermutlich bei jedem Nachfolger gesagt. Hape Kerkeling hätte womöglich das gegenteilige Problem gehabt: Die Erwartungen wären groß gewesen und womöglich hätte er diese am Ende nicht erfüllen können. Insofern ist Markus Lanz in einer komfortablen Situation. Und dass er darauf besteht, keine tief ausgeschnittene Co-Moderatorin an seiner Seite zu haben, ist mir sogar sympathisch. Insofern hat Lanz zumindest eine Chance verdient.
Einen großen Fehler hat das ZDF aber gemacht: Der Sender hat sich darauf eingelassen, dass Markus Lanz seine tägliche Talkshow behält. Damit wird er zu oft auf dem Bildschirm sein. Ein “Wetten, dass”-Moderator sollte eine besondere Position haben, das Publikum muss sich auf ihn freuen können. Jemand, der dreimal die Woche eh zu sehen ist, reizt nicht am Samstagabend. Ansonsten wird Lanz versuchen müssen, die Wetten wieder mehr in den Vordergrund zu rücken. Frank Elstner war auch kein Thomas Gottschalk, seine Stärke war die Sachlichkeit bei der Erklärung der Wetten. Wenn Lanz sich daran orientiert, könnte das was werden – 10 Millionen werden trotzdem nicht mehr zuschauen, soviel ist wohl sicher.
Auf jeden Fall gilt: Erst abwarten, dann stänkern!
geschrieben am 11.03.2012 von Fernsehkritiker · 38 Kommentare Kommentar hinterlassen
Heute fand die wohl überflüssigste Gerichtsverhandlung der Welt statt – im Landgericht Offenburg. Aber Timo Storost von Family TV wollte es ja so, nachdem er sich über meinen Blogtext vom 16. Februar so geärgert hatte und partout eine Einstweilige Verfügung dagegen erreichen wollte (was letztendlich überwiegend scheiterte).
Um es gleich vorweg zu sagen: Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen (inzwischen liegt die Entscheidung vor). Dass etwa das Programm von Family TV als Müll bezeichnet werden darf, hakte die Richterin gleich unter freier Meinungsäußerung ab. Dass Herr Storost unrealistische Zuschauerzahlen veröffentlicht hat, hält auch das Gericht für überwiegend wahrscheinlich. Die von uns verwendete Grafik mit dem Konterfei von Storost interessiert das Landgericht Offenburg nicht, da es für diese Fragen nicht zuständig ist. Ich halte die Verwendung des Fotos bzw. Logos aufgrund der aktuellen Berichterstattung für Family TV weiterhin für zulässig. Ob Herr Storost und sein Anwalt deswegen zum Landgericht Mannheim fahren wollen, da bin ich mal sehr gespannt. Aber Herr Storost scheint ja genug Geld zu haben, wenn er es so locker-flockig für Gerichtsverfahren ausgeben kann. Die Justiz freut sich.
Im Verlaufe unserer Recherchen bezüglich Herrn Storost kamen übrigens noch ein Detail ans Licht, das man im Grunde gar nicht fassen kann. So gab er sich im Jahr 2008 einfach selbst als Anwalt aus und verschickte unter dem Namen einer existierenden Kanzlei mindestens eine Abmahnung. Dort war man verständlicherweise nicht erfreut, Storost musste eine Unterlassungserklärung abgeben, sich nicht mehr als Anwalt auszugeben, Scheinfirmen zu betreiben und Firmen zu betreiben, deren Identität nicht legitimiert worden sind sowie illegales Glückspiel zu betreiben.
Bei manchen Leuten frage ich mich wirklich, was in ihnen vorgeht. Herr Storost gehört zweifelsohne dazu.
Lesen Sie dazu auch diesen Text.
geschrieben am 05.03.2012 von Fernsehkritiker · 540 Kommentare Kommentar hinterlassen
Sie wissen ja, ich würde der RTL-Show “Deutschland sucht den Superstar” nie Fake unterstellen… *hust*… aber irgendwie gibt es so Momente in dieser Sendung, die mich dann doch ein wenig ratlos machen. Und ich sage mir dann immer: Das ist bestimmt leicht erklärbar. Dies gilt auch für diesen Fall.
Da moderiert Moderator Marco Schreyl am heutigen Samstagabend einen kleinen Einspieler an mit folgenden Worten: “Bei DSDS wird bekanntermaßen nicht gekleckert, bei uns wird geklotzt. Und unsere Top-10-Kandidaten hatten in dieser Woche schon eine große Aufgabe vor sich. Die sind nämlich ins Tonstudio gegangen – und zwar in Deutschlands bestes Tonstudio: in das vom Dieter. Und dort haben sie einen Song eingesungen, der der neue Werbesong für Opel ist. Und der heißt ‘Joyrider’.”
Was folgt, sind Bilder von der Ankunft der Kandidaten vor dem Studio. Und nun schauen Sie sich die Bilder mal gut an:





Sind Sie nicht auch der Meinung, dass das alles ziemlich herbstlich aussieht? Die Bäume sind teilweise noch grün, das Laub hängt an den Bäumen. Sieht es so Ende Februar in Deutschland aus? Das Ganze ist deshalb so interessant, denn wenn diese Bilder tatsächlich schon im Herbst gedreht worden wären, dann würde sich damit ja die Frage aufdrängeln, wie es etwa sein konnte, dass vor einer Woche erst die Top-15-Show stattfand, in der die finalen Teilnehmer bestimmt wurden?
Wie gesagt: Es sind nur Fragen, auf die es vermutlich ganz logische Antworten gibt. Aber fragen kann man ja mal.
Mit Dank an Sebastian F. für den spontanen Hinweis!
NACHTRAG: Nach Angaben diverser User ist Herbstlaub an Bäumen durchaus normal für diese Jahreszeit. Dennoch war es mir ein Bedürfnis, es mal zur Diskussion zu stellen.
geschrieben am 03.03.2012 von Fernsehkritiker · 79 Kommentare Kommentar hinterlassen

Mit Dank an Mike B.!
geschrieben am 20.02.2012 von Fernsehkritiker · 26 Kommentare Kommentar hinterlassen

Wie Sie ja vielleicht wissen, bin ich ein großer Fan von altem Retro-Fernsehen. Ich freue mich immer, wenn mir fast vergessene, legendäre TV-Perlen mal wieder begegnen. Insofern ist die Grund-Idee für “Deutschands erstem Internetfernsehsender” Family-TV gar nicht mal verkehrt. Es gibt jetzt nur ein Problem: Family-TV sendet eben nicht die Perlen, sondern stattdessen den Müll, den einigermaßen intelligente Zuschauer schon beim ersten Mal nicht gucken wollten. Zum Beispiel zeigt Family TV die uralte Krawall-Talkshow “Andreas Türck” und wirbt mit einem bemerkenswerten Text dafür. Die Dauerwerbe-Gameshow “Geh’ aufs Ganze” hatte Family TV auch im Programm, und besaß dabei die Dreistigkeit, oben in der Ecke die Einblendung “Neue Folge” zu platzieren – so als sei die 20 Jahre alte Show ein neues Produkt (was schon deshalb nicht glaubwürdig sein kann, da die Kandidaten noch D-Mark-Beträge gewinnen). Moderator Jörg Draeger stattete übrigens Family TV angesichts der Wiederholung seines irgendwie legendär gewordenen Formats einen Besuch ab – und der schien bemerkenswert gewesen zu sein. Dass Family TV zur besten Sendezeit die verstaubte Daily Soap “Verliebt in Berlin” zeigt, dürfte übrigens mit den persönlichen Neigungen des Geschäftsführers Timo Storost zu tun haben, wo er ja schon mit 16 Jahren der Hauptdarstellerin einen 16 Meter langen Brief schrieb. Dass Alexandra Neldel ihn besucht, hat er trotzdem nicht hinbekommen. Von Jugendschutz hat man bei Family TV wohl auch noch nichts gehört, denn um 19 Uhr zeigt man dort täglich das Erotik-Format “visit-x.tv”.
Diesem Timo Storost muss ich mich unbedingt noch ein bisschen mehr widmen – denn er ist aus vielen Gründen fleischgewordene unfreiwillige Komik. So moderierte er persönlich eine “große Show” zum dreijährigen Jubiläum der Internetseite. Ob er das gut gemacht hat, kann ich leider nicht beantworten, da ich angesichts unterirdischer Bild- und Tonqualität nach drei Minuten die virtuelle Flucht ergriff. Kritik daran, wie auch an dem Mülleimer-Programm an sich, scheint an Storost komplett abzuprallen: Auf der Facebook-Seite von Family TV werden kritische Kommentare umgehend gelöscht und Nutzer werden blockiert (einfach mal ausprobieren). Da passt es übrigens ganz gut, dass er seinen etwa im selben Alter befindlichen Kollegen von Quotenmeter ein Interview gab – denn auch dort geht man ja bekanntermaßen mit kritischen Kommentaren im Forum nicht zimperlich um. Die Kollegen von DWDL kamen bei ihm hingegen nicht so gut weg. Auch bei den Zugriffszahlen scheint Storost knallhart zu flunkern, denn wer glaubt schon, dass etwa die Shows im Programm durchschnittlich von 900.000 Zuschauern (!) gesehen werden – zumal die Rechnungen, die FamilyTV monatlich an den Provider “make.tv” zu zahlen hat (liegen Fernsehkritik-TV vor), eher den Verdacht aufkommen lassen, dass die Zuschauerzahl im dreistelligen Bereich liegt. Wes Geistes Kind Storost ist zeigt sich übrigens schon an dem, was er vor seiner Geschäftsführung bei Family TV tat. Er rief im Jahr 2008 den Internet-Radiosender “7Live” (wohl in Anlehnung an 9Live) ins Leben und verwahrt sich gegen die Behauptung, damit Leute abgezockt zu haben. Wie auch? Wie Storost selbst eidesstattlich versichert, hatte er bei “7Live” keinen einzigen Anrufer. Es lohnt sich, dazu nochmal in Marc Doehlers Call-In-Forum zu lesen. Kürzlich haute Storost übrigens eine großspurige Pressemitteilung heraus, er habe jetzt die Zusammenarbeit mit der Nachrichtenagentur Reuters gekündigt – ob das wirklich so war (oder vielleicht doch eher umgekehrt), darüber kann nur spekuliert werden.
Nachtrag: Den Text zu “Andreas Türck” hat Herr Storost ebenfalls geklaut – und zwar von Stefan Niggemeier und Michael Reufsteck.
In eigener Sache:
In dem Blog-Beitrag “Gesendete Spreu” vom 16. Februar 2012 haben wir u.a. behauptet:
- dass der von Timo Storost für die Seite Family TV verwendete Server schon “kräftig hustet”, wenn nur 50 Leute zugleich das Programm gucken
- dass Timo Storost die Dienste der Nachrichtenagentur Reuters nicht mehr bezahlen konnte
- dass Timo Storost mit dem Internet-Radiosender 7 Live “Leute abgezockt” hat
Diese Behauptungen erhalten wir nicht aufrecht.
geschrieben am 17.02.2012 von Fernsehkritiker · 479 Kommentare Kommentar hinterlassen

Mit Dank an gr33dyfly!
geschrieben am 08.02.2012 von Fernsehkritiker · 69 Kommentare Kommentar hinterlassen
Um das Thema “Mitten im Terror” aus Folge 85 noch ordnungsgemäß abzuschließen, möchte ich hier noch ein paar Kleinigkeiten nachschieben, die im Beitrag nicht verwendet wurden. So ist beispielsweise die Antwort der Niedersächsischen Landesmedienanstalt auf die Beschwerde des Ehepaars bemerkenswert:

Interessant ist die Argumentation, die generell seitens der Landesmedienanstalten erfolgt, Motto: Wir schauen uns nur die Sendungen an, mehr nicht. Soll heißen: Dass hinter den Kulissen gefaked wurde, dass bestimmte Szenen nur durch Nötigung und Verfälschung zustande kamen, interessiert schlichtweg niemanden. Ein gebeutelter Protagonist hat also keine Anlaufstelle für seine Beschwerde – außer dem Gericht. Und auch dort sind die Klagen ja meistens nicht von Erfolg gekrönt. Das Fernsehen hat somit im Grunde Narrenfreiheit – wohlwissend, dass das Opfer kaum eine Chance hat, zu seinem Recht zu kommen.
Welche Folgen eine negative, einseitige Darstellung für Protagonisten haben kann, wurde ja im Beitrag bereits deutlich. Wie es überhaupt zu Massenkrawallen kommen kann, zeigen Chats und Einträge im Internet, wo sich hasserfüllt gegenseitig hochgeschaukelt wird. Eine kleine Auswahl:

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Und hier noch zwei Mails der Redakteurin Jana K., die noch einmal ihre Heuchelei dem Ehepaar gegenüber vedeutlichen. In der ersten Mail schlägt sie sogar unverblümt einen Fake vor. Die Szene, in der das Ehepaar das Fenster mit Folie abklebt, wird in der fertigen Sendung schließlich auch gezeigt – natürlich zu dessen Nachteil.


geschrieben am 06.02.2012 von Fernsehkritiker · 31 Kommentare Kommentar hinterlassen

Oh weh, oh weh! Also, ich habe ja wirklich groß Hoffnungen gesetzt in diese neue Vorabend-Talkshow mit Thomas Gottschalk – und ich habe auch immer noch Hoffnung! Sicherlich muss die Show erstmal ihren Weg finden. Umso wichtiger aber ist ja, dass man den Machern gleich zu Beginn knallhart mitteilt: Leute, so wird das nichts!
Zunächst einmal finde ich es bemerkenswert, dass der Showmensch Gottschalk ohne Live-Publikum agiert. Unser Thommy braucht doch schließlich eine Reaktion, wenn er einen Altherrenwitz vom Stapel lässt oder mit seinem Gast herumschäkert. Schlimmer aber noch ist, dass die Redaktion der Sendung stattdessen involviert ist und brav zu klatschen hat, wenn der prominente Gast des Tages die Bühne betritt. Das wirkt nicht nur absurd – es wirkt billig! Und das ist das Schlimmste, was einer Gottschalk-Show passieren kann: dass sie billig wirkt. Ich hatte, ehrlich gesagt, erwartet, dass Gottschalk an seine alten “Na sowas”-Traditionen aus den 80ern anknüpft. Ich hatte erwartet, dass ein Showact zwischendurch kommt, dass die Großen der Welt bei ihm Platz nehmen. Nicolas Cage habe er angeblich einladen können, aber nicht gewollt – so behauptet er. Denn schließlich sei es langweilig für den Zuschauer, wenn diese Stars nur kommen, um ihre Filme zu promoten und dann nach zehn Minuten wieder gehen, begründete der Thommy dies. Und was passierte dann? Bully Herbig kam, promotete seinen Film (im Grunde sogar zwei Filme) – und nach zehn Minuten war es vorbei.
Noch schlimmer aber als all das ist die unverschämte Kommerzialisierung der Sendung. Eine halbstündige Show im öffentlich-rechtlichen Fernsehen drei Mal mit Werbung zu unterbrechen (und sei es in zwei Fällen nur durch je ein bis zwei Spots) ist nicht nur dreist, es ist auch hart am Rande der Legalität – von den Ansprüchen an öffentlich-rechtliches Fernsehen wollen wir gar nicht reden. Den dritten Werbespot dann als “Wetter” zu verkaufen, setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Das “Wetter” wird von der ARD als eigenständige Sendung ausgewiesen – dabei ist es Teil der Sendung. Mit einem Taschenspielertrick wie schon bei der “Sportschau” versucht das Erste offenbar, mehr Werbung zu platzieren als eigentlich zulässig. Überhaupt glaubt man offenbar, am Zuschauer vorbei Geld verdienen zu können – immerhin steht ja der prominente Name “Gottschalk” drüber. Aber das wird auf Dauer nicht funktionieren. Der Name “Gottschalk” ist groß – aber er wird ganz schnell ganz klein, wenn auch die Show klein ist. So simpel ist das. Nun, wie gesagt: Ein bisschen Zeit sollte man den Machern der Show ruhig noch geben. Sie werden sich die massive Kritik an der Show (ein Blick in die Facebook-Gruppe lohnt sich) hoffentlich zu Herzen nehmen.
Zu Beginn der Sendung übrigens zeigte Thomas Gottschalk, wo wirklich seine Stärken liegen: Er ließ sich genüsslich über einen Artikel in irgendeinem Wartezimmer-Schnüffelblatt aus, in dem behauptet wurde, Gottschalk habe einen verarmten Cousin in Polen. Das war aber leider der einzige Höhepunkt. Da muss mehr kommen. Hättest du man doch den Cage eingeladen, Thommy…
geschrieben am 23.01.2012 von Fernsehkritiker · 82 Kommentare Kommentar hinterlassen

Am 2. Januar erhielt ich eine E-Mail von Fabian, einem weiteren Kandidaten der gerade zu Ende gegangenen Scripted-Doku “Schwer verliebt” auf Sat.1. Er schrieb mir: “Hay hier Ist Fabian Kanidat von schwer verliebt. Habe deine Emial adresse von Sarah. Ich würde gerne auch ne richtig stellung machen da ich nur verascht würde und ich habe Was was intresant sein dürfte.”
Interessant war das, was er mir zu berichten und zu zeigen hatte, allemal, denn: Fabian teilte mit, dass er Beweise vorlegen könne, dass die Sendung “Schwer verliebt” komplett nach Drehbuch inszeniert werde. Er habe selbst ein komplettes Drehbuch vorliegen und habe während des Drehs obendrein Bilder von der sogenannten “Produktionsbibel” geschossen. Diese bekam ich dann auch zugemailt, leider in überwiegend verwackelter und unleserlicher Qualität:







Wie gesagt: Leider ist kaum etwas zu entziffern. Aber das, was einigermaßen zu lesen ist, reicht schon. So steht beispielsweise unter dem Punkt “Interviewbriefing” als Anweisung für das Team vor Ort zu lesen: “Grundsätzlich vergesst bitte auch in den Interviews nicht den Aspekt der Körperlichkeit / Dick sein und des Essens abzufragen. Kommt bitte immer wieder auf das Thema zurück bzw. bindet es ein.” Handschriftlich steht darunter, soweit ich das entziffern kann: “2 Fett in einem Raum, 1 Männer 1 Frauen” (Nachtrag: Nach Meinung einiger Leser steht dort “2 Sets in einem Raum”). Unter “Grundsätze des Formats” steht geschrieben: “Bedürftigkeit und Gönnfaktor jedes Protagonisten müssen stets berücksichtigt werden. Seine Ecken und Kanten sollen von vornherein in den Drehplan eingearbeitet werden.” Interessant, nicht wahr? Wo doch angeblich alles so spontan und real abgebildet wird in der Sendung. Und weiter: “Essen thematisch aufgreifen pro Tag ist Pflicht und dann die Kleinigkeiten wie naschen zwischendurch, geht heimlich an den Kühlschrank.” Schließlich wird dann frank und frei die Order gegeben: “Es ist wichtig, dass wir mit den Pfunden unserer Protagonisten auch optisch spielen und den Voyeurismus des Zuschauers bedienen.”
Ich führte ein längeres Telefonat mit Fabian. Darin schilderte er mir, wie er immer wieder genötigt wurde, Szenen gegen seinen Willen zu drehen und wie eine angebliche Liebesgeschichte mit seiner Drehpartnerin Nicole inszeniert wurde, für die er sich in Wahrheit gar nicht interessiert. Am vergangenen Sonntag endete die erste Staffel der Dokusoap in der Tat so, als habe Fabian mit Nicole die große Liebe gefunden und wolle baldmöglichst mit ihr zusammenziehen. Nicole spricht in einem O-Ton sogar schon von Nachwuchsplänen. Fabian erzählte mir, dass es ihn besonders ärgere, dass ganz Deutschland glaubt, er sei nun vergeben. Einfacher für ihn, eine Frau fürs Leben zu finden (deswegen hat er ursprünglich bei “Schwer verliebt” mitgemacht), wird es dadurch sicher nicht. Dazu kommt, dass die Macher ihn jetzt nötigen wollen, an einer zweiten Staffel mitzuwirken, die erfundene Liebesgeschichte mit Nicole also noch weiter fortzusetzen.
Diese Geschichte interessierte mich natürlich sehr und deshalb vereinbarte ich mit Fabian einen zeitnahen Drehtermin. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Fabian hatte auch gleichzeitig mit Vera Müller, Redakteurin der “Rhein-Zeitung”, Kontakt aufgenommen. Und die haute leider die Story sofort raus und schilderte all das, was Fabian auch mir am Telefon erzählte. Damit war Sat.1 natürlich alarmiert. Was sich daraufhin hinter den Kulissen abspielte, lässt sich nur erahnen. Jedenfalls kam von Fabian dann plötzlich ein Dementi, unter anderem in der Facebook-Gruppe von “Schwer verliebt”: “hallo hier ist fabian,ich will noch einmal ausdrücklich betonen,dass der artikel aus der rheinzeitung,vom 03.01.12,angeblich von mir so gesagt,zur sendung schwer verliebt,erstunken und erlogen ist.frau m.,hat mich angerufen,nicht ich sie,und ich habe kein interview gegeben und das was ich geantwortet habe,hat sie komplett verdreht und medienträchtig verkauft.ich fühle mich von dieser frau verfolgt und rate allen,sich von dieser fernzuhalten.”
Mir schrieb Fabian etwa zur selben Zeit nur eine kurze Mail, dass seine Tante im Sterben liege und wir den Dreh deshalb erstmal verschieben müssten. Natürlich ahnte ich sofort, dass hier irgendwas nicht stimmt. Es folgten dann mehrere Tage des Schweigens. Jegliche Versuche meinerseits, Fabian über Mail oder Handy zu erreichen, scheiterten. Dann schließlich kam doch wieder ein Anruf von ihm. Darin erklärte er mir, dass Sat.1 und die Produktionsfirma Grundy/UFA massiven Druck auf ihn ausübten und ihm mit einer Geldstrafe von 250.000 Euro (!) gedroht wurde, sollte er irgendwas über den Dreh zu “Schwer verliebt” öffentlich erzählen. Zu dem Dementi sei er gezwungen worden. Ich versuchte ihm daraufhin klar zu machen, dass diese Knebelverträge sittenwidrig sind und er sich wegen einer angedrohten Geldstrafe keine Sorgen machen müsse. Ich konnte ihn dann schließlich überreden, mich mit ihm zumindest mal ohne Kamera zu treffen – was dann auch geschah. Am Hamburger Hauptbahnhof trafen wir uns zum Frühstück (Fabian wohnt in Kiel und kam mit dem Zug, um Verwandte in Hamburg zu besuchen). Hier konnte ich ihn dann erneut bestärken, mir doch ein Interview zu geben. Vor allem machte ich ihm klar, dass seine Mitstreiterin Sarah Unterstützung braucht. Denn die musste sich in den vergangenen Wochen auch viele Beschimpfungen anhören. Zahlreiche Zuschauer schienen das, was Sarah im Beitrag in Folge 81 erzählte, partout nicht wahrhaben zu wollen. Ich vereinbarte also erneut einen Drehtermin mit Fabian – und wieder endete es so, dass er plötzlich in der Versenkung verschwand. Er reagierte nicht auf Anrufe, sein E-Mail-Postfach war plötzlich überfüllt und man konnte ihm keine Mails mehr schicken. Ich kann mir das nur so erklären, dass ein derart großer Druck nach wie vor auf Fabian ausgeübt wird, dass er sich nach Abwägung lieber dafür entscheidet, die Klappe zu halten. Heute schrieb er mir nach zig Anruf-Versuchen meinerseits, dass er derzeit viele Arzt-Termine hätte und nicht drehen könne. Damit ist für mich, um es mit unserem Bundespräsidenten auszudrücken, nun der Rubikon überschritten. Irgendwann ist meine Geduld auch mal am Ende. Schade, denn das wäre nochmal ein interessanter Nachklapp gewesen zu dem Bericht über Sarah. Vor allem hätte mich das Drehbuch interessiert, von dem ich immer noch hoffe, dass Fabian es mir trotzdem zukommen lässt.
Übrigens übte Sat.1 auch Druck auf Vera Müller aus. In den Kommentaren auf der Solidaritätsseite für Sarah meldete sich ein offensichtlicher Mitarbeiter von Sat.1 oder Grundy unter dem Pseudonym “Entsetzter Betrachter” und wurde unverschämt und bedrohend:
Entsetzter Betrachter: Ich weiß definitiv , dass Fabian Sie nicht angerufen oder “gepostet” hat.Da wird sich JEMAND einen netten Scherz mit Ihnen erlaubt haben , um zu sehen , wie Sie mit Informationen umgehen , und wie leichtgläubig Sie einfach Namen benutzen um sich outen zu können. Ich habe zu Fabian Kontakt und kann somit diese Aussage ohne Reue tätigen.
Vera Müller: Soll ich Ihnen Fabians Handynummer schicken!?!? Soll ich Ihnen die Mails schicken, die er mir nach dem Telefonat an mich geschickt hat?!? Auf seinem Facebook-Account finden sich 7 Kontakte: unter anderem zu Sarah, mit der er ebenfalls in Kontakt steht. Und zu Holger Kreymeier von fernsehkritik.tv… Wir chatten und telefonieren und mailen als mit einem Fake? Lachhaft!
Entsetzter Betrachter: Frau Müller, Vorsicht! Sie überprüfen die Identität ihrer Informanten nicht? Ich schüttle schon lange den Kopf über Ihr journalistisches Versagen. Sie reagieren wie eine Zeitbombe auf Hören-Sagen, ballern scheinbare Infos aus, ohne diese gegenzuchecken und jetzt sind sie in eine dumme Falle getappt. Merken Sie denn gar nicht, dass nicht mehr Sarah im Zielfeuer steht, sondern Sie? Ein kleiner Rat: Reagieren Sie nicht wie ein kleines Kind auf jede Provokation. Sie haben einen üblen Fehler begangen und wenn Sie nicht aufpassen, kann er Sie den Kopf kosten. Überlegen Sie gut, welche Infos Sie raushauen und wem Sie irgendwelche Telefonnummern schicken. Sie sind angreifbar, weil Sie schlampig arbeiten. Wenn SIE und nicht Sarah erstmal einen Anwalt brauchen – keine Ahnung, ob Ihr Blättchen Sie dann noch unterstützte. Ich vermute, dass Sie bei Ihren Kollegen schon jetzt unter Kreuzfeuer stehen. Sie haben sich leichtgläubig auf die Seite eine unreifen Mädchens gestellt und reagieren jetzt genauso unreif, indem sie wütend in Fallen tappen, ohne es zu begreifen. Setzen Sie Ihre feministische-links gefärbte Brille ab und retten Sie ihre Haut! Wachen Sie aus Ihrer Gutmensch-Naivität auf Sie bewegen sich momentan auf sehr dünnem Eis!
Unter dem Strich zeigt sich, welchen Druck solche harmlos wirkenden abendlichen Unterhaltungssendungen nicht nur auf ihre Protagonisten ausüben, sondern auch auf diejenigen, die kritisch darüber berichten. Und es zeigt sich, was für ein Schlag Mensch für diese unwürdigen Scripted-Sendungen verantwortlich ist.
Ich kann nur hoffen und plädiere hiermit auch nochmal an ihn, dass Fabian doch noch bereit ist, sich öffentlich zu äußern. Unsere Solidarität hat er.
Nachtrag: Unsere fleißigen User haben die Produktionsbibel gemeinsam weitgehend entziffert.
geschrieben am 19.01.2012 von Fernsehkritiker · 290 Kommentare Kommentar hinterlassen