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Tja, so kann es manchmal laufen. Das lädt man einen Clip bei YouTube hoch – und am Ende gibt es eine Trennung! So geschehen ist es nun Mario Max zu Schaumburg-Lippe, derzeit Teilnehmer der Sat.1-Trashsendung “Promi Big Brother”.

Was war passiert? Als ich am vergangenen Freitag sah, dass dieser dubiose Prinz Möchtegern in der absurden Show dabei ist, erinnerte ich mich sofort daran, dass ich über ihn mal einen Beitrag gemacht habe im Rahmen der kleinen Reihe “Bedauernswerte TV-Gesichter”. Dies war in Folge 54, also vor mittlerweile vier Jahren. Mario Max pries damals bei Astro-TV bemerkenswerte Artikel zu überteuerten Preisen an, zum Beispiel ein “Reichtums-Elixier” für 99,95 Euro. Man solle dies zum Beispiel auf seinen Kontoauszug sprühen und schon werde man reicher. Weil ich ja nun clever genug bin, so einen Big-Brother-Hype gleich mitzunehmen, habe ich noch am selben Abend genau diesen Beitrag bei YouTube hochgeladen. Selbstverständlich habe ich dies dann auch getwittert mit dem Hashtag #PromiBigBrother. Somit war es also kein großer Umweg bis auch die Redaktion der Sat.1-Show auf diesen Clip aufmerksam wurde. Offensichtlich war denen bis dahin nicht bekannt, mit welch zweifelhaften Geschäften der Pseudo-Prinz so sein Geld verdient – oder sie wollten es einfach nicht wissen.

Aber das Material war dann wohl doch zu interessant, um es zu ignorieren. Am Montag wurde die Szene mit dem Reichtums-Elixier zunächst in der Web-Show zur Sendung präsentiert – sogar mit ordnungsgemäßer Quellenangabe (ab 8:25):

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Cindy aus Marzahn kommentiert das Gezeigte empört und schließt mit dem Satz: “Der ist doch nicht ganz klar im Kopf.” In den Kommentierungen der Moderatoren, sowohl im Web als auch der Late-Night-Show bei Sixx, wird die Sache mit dem Reichtums-Elixier zum Running Gag. In der Late Night auf Sixx waren in der Nacht zum Mittwoch dann die Eltern von Mario Max zu Gast. Der blaublütige Stiefvater hat dem Herrn, der ja eigentlich Mario Wagner heißt, per Adoption seinen Namen gegeben. Das Paar wird erneut mit dem Ausschnitt aus meinem Clip konfrontiert – diesmal allerdings hat sich Sixx nicht so fair verhalten und einerseits den Schriftzug “Fernsehkritik.TV” wegretuschiert sowie andererseits nur “Quelle: YouTube” geschrieben:

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Die Mama wird nach Zeigen der Szene damit konfrontiert und verteidigt ganz unumwunden die Geschäftemacherei ihres Sohnes. Mehr noch: Sie hat sogar selbst so ein Fläschchen mitgebracht und sprüht damit im Studio herum. Überhaupt war der gesamte Auftritt des Paares bemerkenswert, wie auch Sixx selbst in einem Online-Artikel beschreibt.

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Während Prinzessin zu Schaumburg-Lippe also noch sehr entspannt (ich möchte fast sagen naiv) damit umgeht, scheint eine andere Dame inzwischen die Nase voll zu haben: Katharina Bösenecker, bis gestern offiziell Freundin von Mario Max, hat sich nun von ihm getrennt. Und bemerkenswert ist, was Jochen Bendel in der Sixx-Late Night dafür als Grund angibt (im Clip ab 10:30): “Sie möchte eigentlich nicht so gern mit jemandem zusammen sein, der so krumme Geschäfte macht… ich sage nur Reichtums-Elixier.” Ups… da bin ich also indirekt schuld daran, dass der geschäftstüchtige Prinz keine Freundin mehr hat (wovon er übrigens angeblich noch gar nichts weiß, da er ja in dem Haus solche News nicht mitgeteilt bekommt).

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Was die mangelhafte Quellenangabe angeht, zeigt sich Sixx nach einer Beschwerde meinerseits übrigens einsichtig: Heute Nacht soll der Clip in der Late Night Show abermals gezeigt werden – diesmal mit korrekter Quelle.

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geschrieben am 21.08.2014 von Fernsehkritiker ·

Tja, nun habe ich nach wie vor diesen sich elendig lang hinziehenden Prozess gegen Ex-“Super Nanny“ Katharina Saalfrank am Hals – und als wenn das noch nicht reicht, hat nun auch noch ihre Anwaltskanzlei Schertz Bergmann in eigener Sache Klage gegen Fernsehkritik-TV eingereicht. Wir halten diese Klage zwar für absurd – aber der deutsche Rechtsstaat muss wohl auch das aushalten.

Was war passiert? In der Postecke 130 vom 20. Februar 2014 hatte ich die These in den Raum gestellt, dass Frau Saalfrank nicht unbedingt die gesetzlichen Rechtsanwaltsgebühren zahlt, sondern stattdessen ein Honorar (entsprechende Passage ist aus der Postecke inzwischen herausgeschnitten). Eine Promi-Kanzlei, wie sich Schertz Bergmann ja selbst auch gern darstellt, arbeitet durchaus auch auf Honorar-Basis – schließlich tut das gut situierten Prominenten ja auch nicht so weh wie Otto Normalbürger. Die Tatsache, dass Schertz Bergmann im Zusammenhang mit Saalfranks Klage eine unglaubliche Menge Schriftsätze produzierte, ließ den Schluss zu, dass das über einen üblichen Anwaltstarif gar nicht zu refinanzieren ist – denn so wahnsinnig hoch ist der Streitwert ja nicht. Da habe ich in Sachen „Scheiß RTL“ ganz andere Dimensionen erlebt. Und bekanntermaßen errechnet sich das gesetzliche Honorar ja über den Streitwert. Zudem hatte ich noch in der selben Sendung unvorsichtigerweise den Namen Michael Wendler im Zusammenhang mit Schertz Bergmann fallen lassen, weil ich mich – zugegeben – falsch erinnerte, welche Promis die Kanzlei vor Gericht schon so vertreten hatte. Wendler gehört nicht dazu.

Schertz Bergmann schickte mir daraufhin eine Abmahnung und forderte eine Gegendarstellung dessen, was ich behauptet hatte. Zugleich sollte ich eine Unterlassungserklärung unterschreiben und einen saftigen Geldbetrag an Gebühren zahlen. Letzteres lehnte ich ab, sowie ich auch die Unterschrift unter die Unterlassungserklärung verweigerte. Stattdessen formulierte mein Anwalt ein eigenes Schriftstück, das ich der Kanzlei unterschrieben zusandte. Darin sagte ich zwar zu, dass ich die streitgegenständlichen Thesen nicht wiederhole, allerdings ohne Anerkennung der Rechtspflicht.

Und natürlich habe ich dann die Gegendarstellung in der darauffolgenden Postecke 131 vom 6. März verlesen. Zudem erklärte ich noch einmal mündlich und eindeutig, dass Michael Wendler nicht zum Mandantenkreis von Schertz Bergmann gehört. Nun war es so, dass ich die Gegendarstellung aus meiner Sicht zwar seriös und unmissverständlich vorgelesen hatte, mir ein paar Bemerkungen davor und danach aber nicht verkneifen konnte. Immerhin herrscht ja immer noch sowas wie Meinungsfreiheit in diesem Land.

Schertz Bergmann war damit aber nicht einverstanden, sondern schickte kurz darauf noch einmal einen Brief, in dem verlangt wurde, dass die Gegendarstellung wertfrei und klar abgegrenzt verlesen wird. Aber nicht mal das reichte ihnen: Sie verlangten darüber hinaus eine „Richtigstellung“, die jedoch inhaltlich der Gegendarstellung faktisch entspricht. Interessanterweise hatte Schertz Bergmann außergerichtlich angeboten, auf die Richtigstellung zu verzichten, wenn ich alle Kosten übernehme – jeder möge daraus seine eigenen Schlüsse ziehen. In Postecke 132 habe ich zumindest auf die Forderung, die Gegendarstellung noch einmal neutral zu verlesen, reagiert – indem nicht ich selbst diese verlas, sondern der Moderator unseres Magazins Netzprediger, bekannt unter dem Namen Untenein G. Blendet. Damit, so dachte ich, sei das nun endgültig geklärt. Ich dachte, dass inzwischen wirklich jeder Zuschauer der Postecke die Botschaft der Kanzlei, dass Frau Saalfrank ausschließlich nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz die Anwaltskosten trage, nun verstanden hätte.

Und trotzdem lässt Schertz Bergmann nicht locker – und hat nun Klage eingereicht. Wenn man die Klageschrift liest, dann kriegt man schon fast Mitleid angesichts des jammerigen Tons, der darin an den Tag gelegt wird. Schetz Bergmann behauptet ernsthaft, meine Aussage in der Postecke hätte geschäftsschädigende Folgen für die Kanzlei, da ja nun angeblich kein Otto Normalbürger mehr dort anriefe, weil alle jetzt glaubten, Schertz Bergmann sei nicht zu bezahlen für einen Durchschnittsverdiener. Dass man sich selbst als Kanzlei für gut situierte Promis hinlänglich darstellt, verschweigt Schertz Bergmann natürlich. Die selbstdarstellerischen Talkshow-Auftritte von Herrn Schertz als „Promi-Anwalt“ haben da sicher mehr bewirkt als meine kleine Postecke es je könnte. Außerdem, so Schertz Bergmann weiter, sei es nicht statthaft, eine Gegendarstellung durch eine „Comicfigur“ verlesen zu lassen. Abgesehen davon, dass Untenein G. Blendet keine Comicfigur ist (jedenfalls ist mir kein Comic mit ihm bekannt), sondern eher eine Zeichentrickfigur, frage ich mich, wo das denn genau stehen soll, dass eine solche Figur keine Gegendarstellungen verlesen dürfe. Schließlich ist Untenein G. Blendet Moderator eines seriösen Online-Magazins.

Über die genauen Gründe dieser Klage lässt sich nur spekulieren. Natürlich weiß Schertz Bergmann, dass ich am Punkt Finanzen besonders empfindlich zu treffen bin. Immerhin kostet mich das Super-Nanny-Verfahren schon jede Menge Geld. Und dies ist nun nochmal eine Schippe obendrauf. Außerdem wird die Humorlosigkeit von Schertz Bergmann, die mir ja schon mehrmals in Gestalt von Anwalt Zimmermann gegenüber saß, deutlich. Wir haben es hier mit einer sehr selbstverliebt wirkenden Kanzlei zu tun, die mit Kritikern jeglicher Art gern hart ins Gericht geht (im wahrsten Sinne des Wortes). Ich hatte ja schon in einem früheren Blogtext dargelegt, wie diese Kanzlei einzuschätzen ist und mit welchen Methoden sie teilweise arbeitet.

Die entscheidende Frage am Ende ist, ob ich ausreichend dargelegt habe, dass Schertz Bergmann dem widerspricht, was ich in der Postecke 130 erzählt habe – aus meiner Sicht ist das so. Wir haben auch bereits eine umfassende Klageerwiderung bei Gericht abgegeben. Dies betrifft auch den Streitwert, den Schertz Bergmann aus unserer Sicht viel zu hoch angesetzt hat (bei 31.979,60 Euro). Schertz Bergmann scheint sich und diese Angelegenheit auch hier mal wieder wichtiger zu nehmen als sie in Wahrheit ist. Die Verhandlung vor dem Landgericht Berlin wird am 11. September um 11 Uhr im Altbau (1. Stock), Saal 143 stattfinden. Ob ich zugegen sein werde, ist noch nicht sicher.

Was die Forderung des Landgerichts München angeht, 556 Euro zu bezahlen trotz eines gewonnenen Prozesses (siehe Blogtext vom 9. August), werde ich wohl in den sauren Apfel beißen müssen. Es wird bereits mit Zwangsvollstreckung gedroht. Meine Hoffnung, die Gebühr könne noch um zwei Drittel gesenkt werden, hat sich zerschlagen: Dies sei bereits die verringerte Gebühr, teilte die Gerichtskasse mit. Wir werden formal prüfen lassen, ob es irgendeinen Weg gibt, die Drahtzieher von Primavera doch noch zur Rechenschaft zu ziehen. Die haben damals mit Abzocke die dicke Kohle gescheffelt – und ich darf nun alles bezahlen.

Apropos Kohle: Da durch das weitere eröffnete Verfahren nun auch noch Kosten zu begleichen sind (allein die Rechnung meines Anwalts liegt bei über 2000 Euro) und wir uns leider derzeit bei den laufenden Einnahmen tief im Sommerloch befinden (es ist beängstigend, wie wenig derzeit in die Kasse kommt), bin ich leider mal wieder an dem Punkt, dass ich um ein paar Spenden bitten möchte. Selbst der kleine warme Geldregen von RTL ist schon komplett aufgebraucht, die laufenden Kosten (Miete, Finanzamt, Gehälter etc) kennen keine Gnade. Da es leider in nächster Zeit immer wieder mal passieren kann, dass wir Ebbe in der Kasse haben, gibt es jetzt eine kleine Ampel, die sowohl auf der Massengeschmack-Startseite als auch auf der FKTV-Startseite zu finden ist. Diese leuchtet bei finanzieller Notlage rot, bei magerer Lage orange und bei guter Lage grün. Sie ist wirklich sehr klein, damit sie niemanden belästigt, da ich nicht möchte, dass Leute sich unter Druck gesetzt fühlen. Ich bekomme aber immer wieder mal die Frage, wie es bei uns gerade finanziell aussieht – dies soll sozusagen ein kleiner, unaufdringlicher Hinweis sein.

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Die Kontodaten für Spenden haben sich nicht geändert:

Paypal: [email protected]


Konto:

Holger Kreymeier
Hamburger Sparkasse
IBAN DE69200505501317468310
BIC: HASPDEHHXXX

VIELEN DANK!

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geschrieben am 12.08.2014 von Fernsehkritiker ·

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Am Sonntag hat sich Andy Sauerwein bei mir gemeldet. Andy ist ein Klavierkabarettist, u.a. trat er schon mal bei Night Wash auf. Am vergangenen Freitag meldete sich die Produktionsfirma Constantin Entertainment bei ihm, um ihn zum Casting für den “RTL Comedy Grand Prix” einzuladen, den der Sender einmal pro Jahr produziert. Wie gesagt: Es ging lediglich um das Casting, nicht um eine direkte Einladung zur Show. Da Andy Sauerwein eigentlich ganz gut im Geschäft ist (zumindest hat er diverse Auftritte im Jahr, wie man auf seiner Homepage sehen kann), interessierte ihn erstmal, welche Gage RTL denn zahlen würde. Die Dame am anderen Ende der Leitung erklärte ihm, er solle erstmal zum “Vorcasting” kommen und dann würde man über die Gage reden. Auf Andys Nachfrage, wer denn in der Jury sitze, erhielt er auch keine konkrete Antwort – dies werde erst im Herbst erschieden. Andy brauchte nicht lang, um per E-Mail das Angebot dankend abzulehnen.

Soweit erstmal unspektakulär. Andy fand den Vorgang so skurril, dass er auf seiner Facebook-Seite öffentlich postete, dass ihn gerade der “RTL Comedy Grand Prix” zu einem Casting eingeladen habe und er daran aber kein Interesse habe. Es verging kaum eine Stunde, als erneut sein Telefon klingelte und jemand von der Produktionsfirma dran war, um ihn in unfreundlichem Ton massiv zu drängen, diesen Kommentar “sofort” zu löschen, sonst würde er eine Menge Ärger kriegen. “Mir wurde ganz ausdrücklich gesagt, dass ich das nicht posten darf, ich dürfe NIEMANDEM davon erzählen, wörtlich: ‘keinen Kollegen, Partnern, Freunden, nicht mal der Familie’”, so Andy. Begründet wurde dies damit, dass die Show noch in der “Planungsphase” sei. Was in Wahrheit dahinter steckt, ist doch offensichtlich: RTL verkauft seinen “Comedy Grand Prix” immer so, als sei dies für jeden Comedian ein Traum, einmal auf dieser Bühne da im Fernsehen zu stehen. Wenn nun ein Künstler öffentlich mitteilt, dass er kein Interesse an dieser Sendung hat, dann sieht die Produktionsfirma rot. Zudem wird ja immer so getan, als würden sich Comedians in Scharen von selbst bewerben – dass die Macher in Wahrheit Kandidaten hinterher telefonieren müssen (und dann noch eine Absage erhalten), soll niemand wissen. Beim “Supertalent” auf RTL läuft das übrigens genauso.

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Tja, Pech gehabt: Andy hat zwar das umstrittene Posting von seiner Facebook-Seite gelöscht, lässt sich aber trotzdem nicht einschüchtern und hat stattdessen kurzerhand ein Lied über den Vorgang komponiert, das er bei YouTube zum Besten gibt. Insofern: Alles richtig gemacht, Andy!

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geschrieben am 11.08.2014 von Fernsehkritiker ·

Ich habe bekanntermaßen schon so einige Prozesse am Hals gehabt – und habe sie auch immer noch (neuerdings rückt mir auch noch die Kanzlei Schertz Bergmann auf den Leib, dazu demnächst mehr). Ein Prozess, den ich immerhin letztlich gewonnen hatte, war der gegen die Firma Primavera vor dem Landgericht München. Primavera war Produzent dubioser Call-In-Formate – etwa “Money Express” auf VIVA und weiterer undurchsichtiger Sendungen dieser Art in Österreich und der Schweiz. Der Berliner Call-In-Kritiker Marc Doehler hatte damals einen 75-minütigen Film geschnitten, in dem anhand diverser Beispiele gezeigt wurde, mit welch üblen Tricks Zuschauer betrogen wurden. Auch ich hatte diesen Film auf meine Seite gestellt – weswegen die Produzenten Primavera und der Mutterkonzern Mass Response gegen mich und Doehler mit allen Mitteln vorgingen. Über ein Jahr zog sich damals das Verfahren gegen Primavera hin, um dann im September 2011 äußerst unspektakulär zu enden: Die Firma war mittlerweile untergetaucht, es erschien schlichtweg niemand mehr von der Gegenseite. Nach einer vierwöchigen Frist erging ein Versäumnisurteil, somit hatte ich diesen Prozess gewonnen.

Mein damaliges Frohlocken über diesen Erfolg schlug recht schnell in Ernüchterung um, denn natürlich hatte ich damit gerechnet, nun zeitnah Anwalts- und Gebührenkosten zurückerstattet zu bekommen – immerhin war das eine Stange Geld, die ich nur dank hilfreicher Unterstützung von Spendern aus der Community bezahlen konnte. Doch irgendwie war da nichts zu machen. Die Gegenseite war untergetaucht – und das bedeutete auch für mich, dass ich trotz gewonnenen Prozesses leer ausging. Nach dem Motto: Wenn derjenige, der den Prozess bezahlen muss, nicht mehr da ist, dann musst DU eben ran.

Und das Ganze wird nun noch verrückter, denn fast drei Jahre später möchte das Landgericht München von MIR noch mehr Geld haben – obwohl ich, wie gesagt, den Prozess gewonnen hatte.

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Als ich im Januar erstmals Post bekam, hielt ich das Ganze für einen Scherz oder im besten Fall für ein Missverständnis. Dass ich all die bereits gezahlten Summen nicht wiedersehen würde, damit hatte ich mich inzwischen abfinden müssen. Aber noch einmal draufzahlen? Für was?

Inzwischen wurde ich von meinem damaligen Anwalt darüber aufgeklärt, was es mit diesen 556 Euro auf sich hat. Es ist ja so, dass Primavera eine Einstweilige Verfügung gegen mich erwirkt hatte. Wer nun glaubt, dass mit dem gewonnenen Prozess auch automatisch diese Verfügung aufgehoben wurde (zumindest wäre das nach meiner Logik die Schlussfolgerung), der irrt. Dies muss in einem separaten Verfahren beantragt werden. Und genau das ist damals geschehen. Natürlich ging auch dies zu meinen Gunsten aus, aber was die Kosten angeht, war es wieder die selbe Leier: Die Gegenseite, die eigentlich hätte zahlen müssen, ist nicht mehr existent – also werde ich zur Kasse gebeten. Und dennoch bleiben Fragen: Warum habe ich nie einen offiziellen Beschluss geschickt bekommen? Und warum braucht das Landgericht München zweieinhalb Jahre, um eine Kostenrechnung zu schicken?

Mein Anwalt von damals hat mir nun den Vorschlag gemacht, den Antrag auf Aufhebung der Einstweiligen Verfügung im Nachhinein wieder zurückzunehmen, dann würde sich die zu zahlende Gebühr auf ein Drittel verringern. Ja, Himmel Herrgott, von mir aus. Das Thema Call In ist schon lange gegessen – es ist mir vollkommen wurscht, ob der streitgegenständliche Film nun noch gezeigt werden darf. Und selbst wenn ich ihn trotz Verbot zeigen würde: Es ist ja niemand mehr da, der dagegen vorgehen kann.

Mich ärgert maßlos, wie viel Geld ich trotz gewonnenem Prozess blechen musste – Geld, dass ich in den aktuellen juristischen Auseinandersetzungen gut gebrauchen könnte. Also kleiner Tipp, falls Sie mal einen Prozess verlieren: Tauchen Sie einfach unter, machen Sie sich unauffindbar. Dann darf die Gegenseite alles zahlen, obwohl sie gewonnen hat. Ist doch echt gerecht, oder?

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geschrieben am 09.08.2014 von Fernsehkritiker ·

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Tja, so schnell geht das! Da haben wir uns gerade erst quasi in die Sommerpause verabschiedet – und schon sind wir zurück. Ab 1. August ist Massengeschmack-TV wieder mit allen Angeboten am Start. Acht verschiedene Magazine, dazu natürlich die beliebten Extras wie “Das Studio” und “Sendeschluss”, hat unser Portal inzwischen zu bieten – und das soll nicht das Ende sein. Ich habe die Pause auch nutzen können, um neue Gesichter anzufragen, Ideen zu entwickeln, eventuell Kooperationen einzugehen. Aber wie immer gilt: Über ungelegte Eier wird nicht gesprochen!

Die Seite an sich hatten wir ja bereits mit dem Start der Sommerpause überarbeitet. Neu ist u.a., dass man auch einen Clip einzeln kaufen kann ohne ein Abo abzuschließen. Bei den einzelnen Magazinen ändert sich nicht grundlegend etwas, aber hier und da ein paar Kleinigkeiten. Die fundamentalste Änderung ist die Zusammenlegung der Postecke und des Livetalks zur neuen Sendung “Massengeschmack direkt”, die erstmals am Mittwoch, den 13. August 2014 ab 19 Uhr live für alle Abonnenten übertragen wird. Es ist eine Live-Sendung, die Gelegenheit geben soll, mit mir (und ggf. auch einem Gast an meiner Seite) über unsere Formate, aber auch andere Themen zu sprechen – sehr reduziert, ohne Publikum, nur mit einer Kamera. Ich werde dabei, wie gehabt, E-Mails vorlesen (neu ist die Mail-Adresse [email protected], die Adresse [email protected] bleibt aber auch gültig), aber auch Fragen aus dem Live-Chat und über Skype-Anrufe beantworten. Der Turnus dieses Formates ist folgender: “Massengeschmack direkt” erscheint immer am Mittwoch vor der nächsten Fernsehkritik-TV-Folge, damit auch die freien Gucker noch Gelegenheit haben zu reagieren. Live kann die Sendung nur von Abonnenten geschaut werden, die Aufzeichnung wird dann aber unmittelbar danach für alle auf Massengeschmack-TV und auf YouTube veröffentlicht.

Was Fernsehkritik-TV selbst angeht, ändert sich konzeptionell nicht viel. Gute Nachricht für alle Studio-Zuschauer: Der Eintritt ist ab sofort kostenlos für alle unsere Sendungen mit Publikum, somit auch für FKTV. Es ist also nicht mehr notwendig, vorher ein Ticket kaufen zu müssen. Theoretisch kann es natürlich passieren, dass wir wegen Überfüllung dicht machen müssen (insbesondere wenn ggf. mal wieder ein prominenter Gast mit Anziehungskraft zu Besuch kommt), bislang ist das aber noch nicht der Fall gewesen. Im Gegenteil: Bei den anderen Sendungen mit Publikum, Pantoffel-TV und Pressesch(l)au, herrscht zumeist gähnende Leere. Deshalb wird Pressesch(l)au auch künftig freitags aufgezeichnet – in Kombination mit einer anderen Sendung, entweder Fernsehkritik-TV oder Pantoffel-TV. Erstmals wird dies am 8. August der Fall sein: Um 18 Uhr senden wir live Pantoffel-TV und vorher gegen 16 Uhr wird bereits Pressesch(l)au aufgezeichnet. Es lohnt sich dann also doppelt, ins Studio zu kommen. Die Aufzeichnungstermine von “Pressesch(l)au” können variieren und werden rechtzeitig vorher bekannt gegeben. Auch “Schlefaz” geht weiter. Am 1. August, also am selben Abend wie Fernsehkritik-TV, schauen wir dann ab 22 Uhr gern gemeinsam “Camel Spiders – Angriff der Monsterspinnen” auf Tele 5. Und für alle Besucher gibt es zwischen FKTV und “Schlefaz” dann noch eine besondere Premiere, nämlich vorab die 50. Folge von “Das Studio”, die mit 25 Minuten diesmal deutlich länger geht als die üblichen Folgen und eher ein Kurz-Spielfilm als eine Dokusoap-Parodie ist. Auf Massengeschmack-TV erlebt Folge 50 dann ihre Premiere am Sonntag, den 3. August – und zwar für alle, also auch Nicht-Abonnenten. Zusätzlich wird dann, wie gewohnt, die nächste Folge 51 nur für Abonnenten veröffentlicht.

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“Das Studio” Folge 50

Unsere beiden neuen Magazine Hoaxilla-TV und TonAngeber wechseln sich künftig immer am Mittwoch ab, TonAngeber Folge 2 erscheint am 6. August, Hoaxilla-TV am 13. August. Netzprediger wird vorübergehend von Dailyknoedel moderiert, da DarkViktory, der Zeichner und Sprecher von Untenein G. Blendet, im August mit seinem Großprojekt TubeClash ausgelastet ist. Was die Autoren für Netzprediger angeht, bin ich immer noch in Gesprächen. Definitiv neu dabei ist Rayk Anders, der mit seinem Format “Armes Deutschland” interessantes und kurzweiliges Infotainment liefert. Dailyknoedel, Rob Vegas und meine Wenigkeit bleiben an Bord, Nils ist aus Zeitgründen nicht mehr dabei.

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Bleibt noch etwas länger im Urlaub: Untenein G. Blendet

Pantoffel-TV konzentriert sich in Zukunft nur noch ausschließlich auf Filme und Serien. Die Trash-Kategorie wird weiter fortgesetzt, neu ist die Rubrik “Filmfehler”, die uns Mario präsentieren wird. In der Premiere am 8. August geht es dann auch erstmal um sein Lieblingsthema Bond-Filme. Auch die Rubrik “Original vs Remake” vom Asynchron-Team bleibt natürlich erhalten. Pasch-TV geht auch erstmal weiter wie gehabt. Auch wenn viele sich eine Live-Übertragung dieses Formates wünschen, können wir diesen Wunsch leider im Moment organisatorisch noch nicht erfüllen. Die Idee, eine bearbeitete Fassung und eine Uncut-Version zu releasen, ist aber eine Option, die wir uns überlegen.

So, dann kann es am 1. August ja wieder los gehen – mit der Live-Übertragung der 139. Folge von Fernsehkritik-TV, die u.a. einen Beitrag mit und über Jörg Kachelmann beinhaltet, mit dem ich in Berlin am Montag ein interessantes Interview führen konnte. Dieses gibt es dann natürlich auch in voller Länge für FKTV-Abonnenten auf Massengeschmack-TV zu sehen. Das Sommer-Sonderangebot für unser Komplettpaket ist zwar beendet. Es gilt aber weiter, dass jeder, der das Komplettpaket für ein halbes Jahr bucht, auf Wunsch als Geschenk eine DVD “Studio” oder einen FKTV-Kugelschreiber bekommt.

Bis kommenden Freitag!

Holger Kreymeier

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Zu Gast in Fernsehkritik-TV: Jörg Kachelmann

Diskussion zu diesem Blogtext HIER

 


geschrieben am 25.07.2014 von Fernsehkritiker ·

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Massengeschmack-TV startet in die Sommerpause – aber nicht ohne noch zwei Premieren von Magazinen zu präsentieren, die ab August zweimal pro Monat das Portfolio unseres Portals bereichern werden.

In Hoaxilla-TV geht es um Verschwörungstheorien. Alexa und Alexander Waschkau betreiben ihren gleichnamigen Audio-Podcast schon seit vier Jahren und haben sich eine ansehnliche Community erarbeitet. Pro Folge nehmen sie sich eine Verschwörungstheorie vor, räumen mit angeblichen Fakten auf, beschreiben detaillliert, was dahinter steckt. Wir freuen uns, künftig auf Massengeschmack exklusiv die Bild-und-Ton-Variante von Hoaxilla präsentieren zu dürfen. Den Piloten gibt es selbstverständlich kostenlos – auf Massengeschmack und auch auf YouTube.

In TonAngeber hat unser Nils nun endlich Gelegenheit, seiner Leidenschaft für die Musik Ausdruck zu geben: Er begrüßt im Studio live Musiker, rechnet gnadenlos mit den aktuellen Album-Charts ab und stellt natürlich vor allem Neuerscheinungen vor. Auch Klaus Kauker, der bislang Musikkritiken für Pantoffel-TV ablieferte, wird ab sofort in TonAngeber CDs rezensieren. Auch hier gibt es die Folge 1 kostenlos für alle auf Massengeschmack und auf YouTube.

Ab sofort können Sie diese Magazine auf Massengeschmack-TV buchen – das Komplettpaket für je 12 weitere Folgen aller acht Magazine bieten wir bis zum 30. Juni 2014 als Sommer-Sonderangebot für 29,90 Euro an (späterer Preis für dann 37,90 Euro). Auch wenn wir unser Programm erst im August fortsetzen, haben Sie natürlich bei sofortiger Buchung bereits den Archivzugang. Als kleines Geschenk für Komplettpaket-Abonnenten bieten wir dazu jetzt auch die DVD “Das Studio Vol. 2″ an – wahlweise ist aber auch nach wie vor Vol.1 unserer beliebten wöchentlichen Dokusoap-Parodie zu bekommen. Wer bereits ein Komplettpaket hat, bezieht automatisch jetzt auch die beiden neuen Magazine.

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Außerdem haben wir bei der Gelegenheit die Massengeschmack-Seite überarbeitet. Eine Startseite im herkömmlichen Sinne gibt es nicht mehr, stattdessen werden direkt die Clip-Vorschauen angezeigt. Und neu ist: Jede Folge eines Magazins ist auch einzeln zu erwerben – ohne Abschluss eines Abos. Dies ist immer wieder als Wunsch von Zuschauern geäußert worden.

Wir hoffen, mit dem erweiterten Angebot Massengeschmack-TV nicht nur umfangreicher, sondern vor allem auch attraktiver gemacht zu haben. Kommen Sie gut durch den Sommer – ab August geht es mit 16 neuen Folgen pro Monat sowie weiteren Extras richtig rund bei uns!

Diskussion zum neuen Massengeschmack-Angebot HIER.

Diskussion zu “TonAngeber” HIER.

Diskussion zu “Hoaxilla-TV” HIER.

 


geschrieben am 17.06.2014 von Fernsehkritiker ·

An diesem Montag ist natürlich für Fußballfans ein besonderer Tag, denn die deutsche Elf tritt zum ersten Mal zur WM an. Aber auch in anderer Hinsicht ist dieser Tag wichtig: Denn es ist wieder mal Bloomsday! Die Iren, insbesondere die in Dublin, feiern diesen Tag auf besondere Weise: Es werden in einer Art Tour de Force Kneipen, Geschäfte und andere Orte abgeklappert, die im 1904 erschienen Roman “Ulysses” von James Joyce eine Rolle spielten. In dem Buch streift die Hauptfigur Leopold Bloom am 16. Juni durch Dublin, trifft viele Menschen und macht immer wieder Halt an diversen Orten, etwa einem Seifengeschäft oder auch viele Pubs. Für die Iren, aber auch Touristen, ist das jedes Jahr aufs Neue ein Riesenspaß, Blooms irrer Tour durch Dublin nachzueifern, natürlich ist das für die entsprechenden Geschäfte (die zum Großteil immer noch existieren) auch zu einer lukrativen Angelegenheit geworden.

Wo ist da nun der Bezug zum Fernsehen? Dies ist dem Schriftsteller Walter Kempowski zu verdanken, denn der hat 1997 das Buch “Bloomsday ’97″ veröffentlicht, in dem er eine ganze eigene schräge Tour verarbeitete: Er schaute am 16. Juni 1997 einen ganzen Tag lang Fernsehen und führte dabei ein Wortprotokoll. Er schrieb also alles auf, was während seiner stundenlangen Zappings so an Hirnlosigkeiten, aber auch gelegentlich klugen Dingen, so gesagt wurde. Kempowski hatte sozusagen die verrückte Idee, statt durch Dublin durch die TV-Landschaft zu streifen. Das Buch liest sich so schmerzvoll wie es sich anhört.

Im Jahr 2009 wiederum hatte ich dann die Idee, statt der Buchversion eine audiovisuelle Tour durchs TV-Programm zu unternehmen. Damals schon rief ich viele Zuschauer von Fernsehkritik-TV auf, sich an dem Projekt zu beteiligen – und sie taten es erfreulicherweise auch und schnitten jede Menge TV-Programm am 16. Juni 2009  für mich mit. Das Ergebnis ist ein etwa dreiviertelstündiger Film, der inzwischen auch auf YouTube zu sehen ist.

Jetzt, fünf Jahre später, möchte ich dieses Experiment erneut durchführen. Aber dies kann ich natürlich nur, wenn sich erneut Zuschauer an dem Projekt beteiligen. Diverse Leute haben sich bereits gemeldet und sind dabei – aber je mehr desto besser. Insbesondere die kleinen Sender, regionale Kanäle, aber auch Spartensender, würden mir ohne Hilfe rasch durch die Lappen gehen – und dort hat man womöglich hinterher die dankbarsten Fundgruben.

Wenn Sie auch Lust und Zeit haben, mir TV-Programm vom 16. Juni 2014 mitzuschneiden, dann melden Sie sich bitte unter [email protected] . Sofern Sie mir das Material hinterher per Post schicken, erstatte ich selbstverständliche jegliche Kosten. Auch Festplatten oder USB-Sticks würde ich natürlich umgehend wieder zurücksenden.

Der fertige Film wird dann hinterher auf Massengeschmack-TV veröffentlicht und mit Verzögerung auch später auf YouTube.

Herzlichen Dank!


geschrieben am 15.06.2014 von Fernsehkritiker ·

Das war ja schon harter Tobak, was der ehemalige ARD-Moderator und Wetterexperte Jörg Kachelmann da heute in seinem Blog heraushaute. Er wirft dem WDR nicht nur Versagen im Zusammenhang mit der Berichterstattung über das schwere Unwetter am Pfingstmontagabend vor, sondern macht sogar WDR-Intendant Tom Buhrow persönlich verantwortlich dafür, dass sechs Menschen während der Wetterkatastrophe ums Leben kamen und weitere teils schwer verletzt wurden.

Nun ist es immer schwierig, jemanden indirekt verantwortlich zu machen, wenn Menschen sterben. Richtig aber ist, dass der WDR gestern als öffentlich-rechtlicher Sender komplett versagt hat. Denn zu seinen Aufgaben gehört es natürlich auch, rechtzeitig und deutlich Unwetterwarnungen zu kommunizieren und in besonders gefährlichen Situationen auch als vermittelndes und helfendes Medium zu agieren. Und wie das Ganze innerhalb des WDR strukturiert ist, dafür ist letztlich die Chefetage des Senders verantwortlich – wer sonst?

Kachelmann, der selbst viele Jahre lang als Wetterexperte im TV tätig war und daher weiß, wovon er spricht, hatte bereits am Pfingstmontagmorgen angedeutet, dass da etwas Schlimmes auf die Region NRW zukommen könnte, denn von Westen her braute sich bereits kräftig was zusammen:

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Natürlich lässt sich hinterher immer sagen: Da hat es einer besser gewusst. Und zur ganzen Wahrheit gehört auch, dass der WDR jede offizielle Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes umgehend meldet. Aber reicht das? Unwetterwarnungen gibt es öfter mal, man überhört sie auch leicht mal. Rundfunk und Fernsehen hätten am Pfingstmontag, insbesondere in den frühen Abendstunden, viel eindringlicher vor einem schweren Unwetter warnen müssen. Um 18:25 Uhr jedenfalls veröffentlichte Wetter Online diese eindeutige Grafik, die das heranrauschende Unwetter bereits deutlich dokumentierte:

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Die gelben Punkte sind übrigens Blitze und dokumentieren, was da in geballter Form im Anmarsch war.

Der WDR übertrug den ganzen Nachmittag und Abend live das Birlikte-Festival in Köln, welches zum 10. Jahrestag des Nagelbomben-Anschlags mit 22 Verletzten in der Kölner Keupstraße veranstaltet wurde. Auch zu dieser Zeit. Diverse Größen aus dem deutschen Musik-Business wie Udo Lindenberg, BAP und Clueso traten auf. Der WDR begleitete dieses Ereignis auch auf Twitter live mit immer wieder neuen Meldungen wie etwa dieser hier:

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Das war um 19:26 Uhr, als in Belgien bereits die Katastrophe real war und die ersten Bilder von dort auch uns erreichten. Spätestens, allerspätestens hier, hätte der WDR auf allen Ebenen eine deutliche und unmissverständliche Warnung herausgeben müssen – hat er aber nicht. Der Fokus des WDR lag ausschließlich auf diesem Festival – im Fernsehen, im Rundfunk, auch auf Twitter und Facebook. Dabei wäre im Fernsehen eine gute Gelegenheit gewesen. Wollte man möglicherweise nicht innerhalb des Übertragung des Birlikte-Festivals damit kommen (immerhin ja ein sensibler Anlass), so wäre ja die zwischendurch ausgestrahlte “Aktuelle Stunde” von 19:10 Uhr bis 19:30 Uhr die ideale Gelegenheit gewesen. Dass es tagsüber bereits zu einigen kleinen Unwettern gekommen war, wurde in der Sendung zwar zum Thema gemacht, allerdings immer mit Blick auf die Vergangenheit. Und ein in einem Beitrag interviewter Wetterexperte von MeteoGroup gab eher einen missverständlichen, als hilfreichen O-Ton ab:

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Zitat: “Wir können nur anhand des Radars derzeit genaue Prognosen abgeben, allerdings erst einige Stunden vorher. Wir können also noch nicht sagen mit großer Bestimmtheit, welche Region heute Abend und in der kommenden Nacht am stärksten von Gewittern betroffen sein werden.” Dieser gesendete O-Ton war mit Sicherheit schon einige Stunden alt, denn zu diesem Zeitpunkt war bereits eindeutig zu prognostizieren, wohin die Reise geht. Die “Aktuelle Stunde” wäre besser beraten gewesen, eine Live-Schalte zu einem Wetterdienst zu organisieren oder einen Experten live im Studio zu begrüßen. Zum Ende der Sendung dann folgt der Wetterbericht, der wortwörtlich so lautete: “In der Nacht, da gibt es Regen, auch heftige Gewitter, Hagel und Sturmböen sind drin. Später klart es auf, die Temperaturen: ja, es bleibt mild, 21 bis 16 Grad. Es kühlt also wenig ab. Morgen am Dienstag dann sommerlich und wieder schwül warm. Erste Gewitter am Vormittag, nachmittags und abends wieder heftige Gewitter, Hagel und Sturmböen möglich. Temperaturen 26 bis 30 Grad, an der Weser auch bei 32 Grad. Am Mittwoch auch Gewitter, später dann vom Münsterland her Sonne. 22 bis 26 Grad, es ist nicht mehr ganz so warm. Donnerstag und Freitag heiter und trocken und angenehm warm.” Wir machen uns nochmal klar: Zu einem Zeitpunkt (kurz vor 19:30 Uhr), als ein schweres und lebensbedrohendes Unwetter schon eindeutig absehbar war, gab es in der “Aktuellen Stunde” keine einzige klare Warnung. Diese hätte spätestens zu diesem Zeitpunkt erfolgen müssen – und zwar über TV, Radio und Internet.

Der WDR schaltete dann wieder zurück zur Übertragung des Birlikte-Festivals und unterbrach diese erneut um 20 Uhr für die “Tagesschau”. Auch hier war in der gesamten Sendung keine Rede von einer nahenden Wetterkatastrophe, obwohl das Unwetter inzwischen schon heftigst über NRW wütete. Unser Tschernobyl-Fan und Unwetter-Filmer Gerrit nahm genau zu diesem Zeitpunkt ein Video auf, das u.a. später in den Yahoo-Nachrichten gezeigt wurdeIn der parallel laufenden “Tagesschau” wurde lediglich im Wetterbericht am Ende auf die Wetterlage eingegangen – und zwar mit folgenden Worten: “Zwischen einem Hoch an der Adria und einem Tief bei Irland strömt morgen noch heiße Luft zu uns. In den folgenden Tagen kühlt es etwas ab. In der Nacht ziehen über den Norden und Westen noch einige zum Teil unwetterartige Gewitter. Es gibt entsprechende Warnungen des Deutschen Wetterdienstes. Weiter Richtung Süden und Osten ist es oft klar. Morgen wird es im Osten wieder meist sonnig. Auch sonst ist es zunächst oft freundlich. Später entladen sich gebietsweise Gewitter mit Unwetterpotenzial durch kräftigen Regen und Hagel. Auch mit schweren Sturmböen ist zu rechnen. Sonst weht der Wind schwach bis mäßig. In der Nacht in der Pfalz laue 23, auch in Berlin noch 20 Grad. In den Alpentälern nur 11. Morgen Höchstwerte von 21 Grad an der Nordsee bis örtlich 37 Grad im Osten. Mittwoch ist es nicht mehr so heiß. Im Norden und Westen scheint oft die Sonne, sonst gibt es neben freundlichen Abschnitten einige Schauer und Gewitter, die zum Teil heftig sind. Der Donnerstag wird überwiegend freundlich, ganz im Süden gibt es noch einzelne Gewitter. Am Freitag im Norden zunehmend unbeständig, in der Südhälfte noch sonnig.” Wir stellen fest: Dass es im Westen bereits zu diesem Zeitpunkt heftigst wütet und das ganze Unwetter zeitnah auch weitere Teile von NRW und später Niedersachsen treffen wird, verschweigt die “Tagesschau”. Insbesondere die später schwer betroffenen Einwohner Düsseldorfs wären gewarnt gewesen, hätte man hier eindringlicher die Gefahr kommuniziert..

Und der WDR krönt das Ganze dann noch folgendermaßen: Unmittelbar nach Fortsetzung der Live-Übertragung des Birlikte-Festivals tritt Sandra Maischberger auf die Bühne und verkündet, dass die Veranstaltung abgebrochen werden muss.

maischbergerbirlikte

 

schade

Zitat: “Wir haben eine Unwetterwarnung bekommen. Das Kontrollzentrum sagt, in etwa 25 Minuten gibt es hier Hagel, Sturmböen. Und wir sind angewiesen worden, an diesem Punkt zu sagen: Die Sicherheit der Besucher geht vor.” Die eigentlich geplante Übertragung des Festivals bis 21:45 Uhr wurde also vorzeitig abgebrochen. Der WDR hätte die nun freigewordene Sendezeit spontan nutzen können, um spätestens jetzt massiv zu warnen und über den aktuellen Stand der Dinge zu berichten. Doch weit gefehlt: Als Ersatzprogramm präsentiert man uns “Die 50 größten Bauwerke in Nordrhein-Westfalen”.

50bauwerke

Während der Sendung wird lediglich immer wieder folgender Lauftext eingeblendet: “Sie sehen ein Ersatzprogramm. Aufgrund eines starken Gewitters über Köln wurde die Veranstaltung Birlikte abgebrochen. Wir bitten um Verständnis.”

50bauwerke2

 

Ein starkes Gewitter über Köln – aha. Ist das vielleicht etwas untertrieben angesichts des unglaublichen Unwetters, welches zu diesem Zeitpunkt bereits NRW voll im Griff hatte?

Wenn man sich anschaut, wie sich die Medien heute, also am Tag NACH der Katastrophen-Nacht, auf Bilder von umgestürzten Bäumen, weggerissenen Dächern und beschädigten Häusern stürzen, kann einem einfach nur schlecht werden. Das gilt auch für den WDR. Je spektakulärer desto besser. Die ARD bringt sogar einen “Brennpunkt”. Ist ja toll, liebe ARD: Gestern wäre ein “Brennpunkt” zur besten Sendezeit im Ersten sinnvoll gewesen – möglicherweise wäre dann tatsächlich der eine oder andere menschliche Schaden abzuwenden gewesen. Die Düsseldorfer hätten sich sicher bedankt.

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geschrieben am 10.06.2014 von Fernsehkritiker ·

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Der ZDF-Fernsehrat ist neu gewählt worden – und dass das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe die starke Dominanz der politischen Parteien für verfassungswidrig erklärt hat, interessiert die Politik herzlich wenig. So lange die Damen und Herren nicht gezwungen werden, ihren Anteil zu verringern, tun sie es auch nicht. Sehenswert hierzu ist auch ein Bericht des NDR-Magazins “Zapp”  (ab Minute 18:10). 

Ich habe mich mit drei Fragen an den ZDF-Fernsehrat gewandt – und bekam, wie ich finde, bemerkenswerte Antworten:

1.) Inwiefern haben Sie bei der neuen Zusammensetzung des Fernsehrates das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 25. März mit einbezogen?

Das Bundesverfassungsgericht hat in seiner Entscheidung vom 25.03.2014 den Ländern aufgegeben, “eine Neuregelung, die den verfassungsrechtlichen Anforderungen entspricht und die jedenfalls für die nächsten regulären Wahlen der Aufsichtsgremien maßgeblich ist, bis spätestens 30.06.2015 zu schaffen. Von dem Erlass von Anordnungen für die Übergangszeit wird abgesehen.”  Der Fernsehrat ist somit nicht Herr des Verfahrens, er ist legitim im Amt und arbeitet bis zu dem genannten Termin auf einer klaren Rechtsgrundlage, die ihm durch den bestehenden ZDF-Staatsvertrag vorgegeben ist.
Der Fernsehrat wird schon in seiner nächsten Sitzung am 18.09.2014 beraten, welche Schlussfolgerungen aus der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes vom 25.03.2014 für das Gremium zu ziehen sind. Dabei soll auch diskutiert werden, wie der Fernsehrat seine Arbeit künftig noch transparenter gestalten kann.

2.) Warum sendet die FDP zwei Parteien-Vertreter in den Fernsehrat, aber Grüne, Linke und CSU jeweils nur einen, obwohl diese doch rein prozentual auf Bundesebene ein größeres Gewicht haben?

Gem. § 21 Abs. 1 c ZDF-Staatsvertrag werden die zwölf Vertreter der Parteien entsprechend ihrem Stärkeverhältnis im Bundestag in den Fernsehrat entsandt. Maßgeblicher Zeitpunkt ist die Konstituierung des Fernsehrats, also der Beginn der XIV. Amtsperiode im Juli 2012. Somit basiert die Zahl der Vertreter der jeweiligen Parteien im Fernsehrat auf der damaligen Sitzverteilung im Bundestag nach dem Wahlergebnis der Bundestagswahl vom 27.09.2009 (CDU/CSU-FDP-Koalition).  

3.) Wäre es nicht ein gutes Zeichen gewesen, als Vorsitzenden nicht ausgerechnet einen ehemaligen Generalsekretär der CDU zu wählen?

Herr Polenz wurde aus der Mitte des Fernsehrates für die zweite Hälfte der XIV. Amtsperiode als Vorsitzender vorgeschlagen und gewählt, gemäß der geltenden Geschäftsordnung des Gremiums und in Wahrnehmung seiner organschaftlichen Rechte. Von 47 abgegebenen Stimmen erhielt er 40 Ja-Stimmen und sechs Nein-Stimmen bei einer Enthaltung.

Zu Antwort 1: Selbstverständlich ist der Fernsehrat Herr des Verfahrens. Die politischen Parteien hätten zumindest ihre indirekten Vertreter rausschmeißen können. So sitzt beispielsweise der gerade geschiedene Gewerkschaftsboss Michael Sommer im Fernsehrat, er ist aber auch SPD-Mitglied. Erika Steinbach, die im Bundestag für die CDU sitzt, fungiert als Vertreterin des Bundes der Vertriebenen. Außerdem mischen als “Vertreter der Länder” auch ausschließlich Partei-Leute mit – neben den offiziellen Partei-Vertretern. Wenn man sich die ganze Liste anschaut, hat man das Gefühl, das ist ein lupenreiner Parteienfilz.

Zu Antwort 2: Diese Logik soll jemand verstehen. Der neu gewählte Bundestag, dem die FDP nicht mehr angehört, wurde im September 2013 gewählt. Man greift also jetzt, im Mai 2014, noch auf ein Bundestags-Wahlergebnis von 2009 zurück?

Zu Antwort 3: Wäre ja schön gewesen, wenn die Frage beantwortet worden wäre.

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geschrieben am 22.05.2014 von Fernsehkritiker ·

bananeflagge

Erneut ist eine weitere Verhandlung des Super-Nanny-Prozesses vor dem Landgericht Köln wie das Hornberger Schießen ausgegangen. Wieder sind unsere Zeugen nicht aufgetaucht. Die Schuld dafür liegt aber aus meiner Sicht eindeutig beim Gericht.

Statt dass ich hier eine weitere Bewertung abgebe, soll jeder sich einfach anhand des folgenden Gedächtnisprotokolls des Verfahrensverlaufs selbst ein Bild machen:

RICHTER: Ich eröffne die Verhandlung Aktenzeichen XY. Anwesend sind für die Klägerseite Anwalt Zimmermann, für die Beklagtenseite der Beklage Herr Kreymeier und sein Anwalt Herr Füllwock. Tja, wir hatten ja in unserem Beschluss die Vorgabe gemacht, dass die zu zahlenden 2000 Euro für die Zeugenholung bis zum 16. April 2014 überwiesen sein sollten. Das Geld ging aber erst mit Verspätung ein. Auf unsere Nachfrage bei der Geschäftsstelle am 29. April hieß es, es liege noch keine Zahlungsbestätigung der Gerichtskasse vor. Erst am 30. April war uns der Zahlungseingang durch die Gerichtskasse bestätigt worden. Wir setzten uns deshalb am 5. Mai 2014 mit der Gerichtsvollzieherin in Leer in Verbindung. Diese teilte uns mit, dass eine Überführung der Zeugen von Leer nach Köln innerhalb dieser kurzen Frist nicht mehr zu planen und durchzuführen sei.

HOLGER: Ich hab das Geld aber am 14. April überwiesen. Den Kontoauszug kann ich Ihnen vorlegen.

RICHTER: (ungläubig) Im Moment gehen wir erstmal davon aus, dass Ihre Zahlung verspätet war. Wie wir inzwischen in Erfahrung bringen konnten, ist der Geldeingang am 22. April bei der Gerichtskasse verzeichnet worden. Auch dies wäre ja ein verspäteter Eingang.

HOLGER: Moment mal, verstehe ich das richtig? Die Gerichtskasse hat den Geldeingang am 22. April verzeichnet – und Sie haben am 29. April, also 7 Tage später, von denen die Auskunft bekommen, das Geld sei nicht da?

RICHTER: Vergreifen Sie sich bitte nicht im Ton.

HOLGER: Aber die Schuld liegt ja wohl eindeutig nicht bei mir, ich habe mich an die Frist gehalten.

Mein Anwalt gibt mir Zeichen, lieber still zu sein.

ZIMMERMANN: (zum Richter) Wenn Sie am 5. Mai Kenntnis hatten, dass die Zeugen nicht geladen werden können, warum haben Sie uns denn nicht verständigt? Dann hätten wir uns den Weg heute sparen können.

RICHTER: Wieso? Wir wollen doch hier heute verhandeln, oder nicht?

FÜLLWOCK: Es ist doch in der Tat merkwürdig, dass Sie erst am 30. April von der Gerichtskasse die Auskunft erhalten haben, dass am 22. April das Geld eingegangen sei. Es scheinen hier auch Versäumnisse gerichtlicherseits vorzuliegen. Vor diesem Hintergrund ist wohl ein neuer Termin sinnvoll.

Nach einigem Hin und Her (es ging noch um einige Nebensachen wie die ordnungsgemäße Adresse der Zeugen) zogen sich die Richter dann kurz zurück. Und dann kamen sie wieder.

RICHTER: Also, wenn das Geld am 14. April überwiesen wurde, dann sollte man wohl davon ausgehen, dass es am 16. da war. Länger als einen Tag dauert eine solche Überweisung nicht. Sofern Sie das nachweisen können, muss es dann natürlich einen neuen Verhandlungstermin geben. (ins Diktiergerät) Zur heutigen Verhandlung sind die Zeugen nicht erschienen, da eine Zeugenholung nicht rechtzeitig möglich war. Die Beklagte gibt an, das Geld fristgemäß überwiesen zu haben und wird dafür einen Beweis erbringen.

FÜLLWOCK: Und bitte ergänzen Sie noch, dass die Gerichtskasse am 22. April den Eingang des Geldes verzeichnete, Ihnen aber bei Ihrer Nachfrage dies am 29. April nicht mitgeteilt wurde.

RICHTER: (zögerlich) Ja… hm… gut.

Nachtrag von mir noch: Das Geld wurde definitiv rechtzeitig überwiesen (am Abend des 14.4., abgegangen vom Konto ist es am 15.4.) Ich hatte sogar am 15.April noch dies getwittert:

tweetgeld

 

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geschrieben am 08.05.2014 von Fernsehkritiker ·
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