Ich habe soeben mal versucht, online den Mörder zum gestrigen ARD-”Tatort” zu finden. Ja, das ist mal was Neues: Anstatt dass nach 90 Minuten dem Zuschauer mitgeteilt wird, wer der Täter ist, blieb diese Frage diesmal offen. Im Internet muss stattdessen interaktiv weiter recherchiert werden. Am gestrigen Abend sorgte dies bereits für Tumulte, da der Server zusammenbrach. Offenbar war man auf einen Ansturm nicht vorbereitet (bisschen naiv gedacht, wo der “Tatort” ja stets acht bis neun Millionen Zuschauer hat). Inzwischen läuft das Spiel wieder – allerdings recht langsam und obendrein nicht besonders komfortabel. Ehrlich gesagt hatte ich erwartet, dass im Spiel weitere Filmclips zu sehen sind und auch das Verhör der Verdächtigen mit eigens gedrehten Filmsequenzen funktioniert. Aber weit gefehlt: Stattdessen läuft alles ohne Ton und über Texttafeln. Mir ist der Spaß schnell vergangen.

Überhaupt stellt sich die Frage, ob sowas in der Form Sinn macht – bei allem Respekt gegenüber den Machern, mal was Neues auszuprobieren. Der “Tatort” wird ja auch von vielen älteren Menschen geschaut, von denen nicht jeder über einen Internetzugang verfügt. Die gucken also im wahrsten Sinne des Wortes in die Röhre. Andererseits sind diejenigen, die sich den “Tatort” gestern nicht angesehen haben, auch angeschmiert. Zwar kann man den Krimi sich im Netz noch einmal komplett anschauen, aber wer macht das schon, wenn er vielmehr Lust hat, jetzt sofort ein interaktives Krimi-Spiel zu spielen?

Vielleicht sollte die ARD mal über einen eigens und exklusiv produzierten “Tatort” fürs Netz nachdenken, der von Anfang an interaktiv und unter Beteiligung der Zuschauer läuft. Das wäre wirklich mal ein interessantes Experiment. In diesem Fall war es ja wohl eher so, dass der Krimi erst gedreht wurde und dann plötzlich die Idee aufkam, noch was Interaktives hintendran zu hängen. Das kann ja nicht funktionieren.

Wer das “Tatort”-Spiel mal ausprobieren möchte, kann das HIER tun. Dort gibt es auch die Möglichkeit, den kompletten 90-minütigen Krimi anzuschauen.


geschrieben am 14.05.2012 von Fernsehkritiker ·   18 Kommentare Kommentar hinterlassen

Wissen Sie, was ich überhaupt nicht ertragen kann? Wenn Leute mich voll labern mit pseudo-modernen und irgendwie hippen Begriffen und damit zeigen wollen, wie sehr sie doch in der digitalen Medienwelt angekommen sind. So einer ist wohl Jens Hegenberger, der für den Rundshow-Blog einen Gastartikel über die Zukunft des Fernsehens verfasst hat.

Ich will ihm seine Kompetenz nicht absprechen – im Gegenteil: Sein Berufsweg ist interessant und verdient Respekt. Und dennoch glaube ich, dass er mit seinen Thesen, und seien sie auch noch so verschwurbelt formuliert, auf dem Holzweg ist. Man durchschaut als Leser sehr schnell, dass der Text nichts weiter als unverblümte Werbung für die Seite Zapitano zu sein scheint, deren Marketing-Chef Hegenberger ist (und auf der, mit Verlaub, sich offenbar bislang kaum jemand herumtreibt).

Hegenbergers These (die er mit so Begrifflichkeiten wie “Second Screen”, “Public Life Cycles” und “Viewser” schmückt): Fernsehen ist nur zum Gucken da und all die modernen Geräte wie Notebooks, Tablet-PCs und Smartphones dienen als “Begleitmedium”. Dabei übersieht er, dass gerade diese Geräte das klassische Fernsehgerät an sich und damit auch die Form von Fernsehen, wie wir sie jetzt kennen, bald überflüssig oder zumindest unbedeutender machen werden. Alles verschmilzt miteinander. Allein schon seine Vision, dass man “während der Ausstrahlung” einer Sendung dann über soziale Plattformen kommuniziert, ist erstens längst Realität und zweitens bald Vergangenheit: Das Fernsehen der Zukunft liegt in Mediatheken. Das bedeutet: Alles, was nicht zwangsläufig live ist (wie etwa Sportevents oder große Abendshows) guckt sowieso jeder, wann er will. Der klassische festgelegte Ausstrahlungstermin wird irgendwann die Ausnahme und nicht die Regel sein – und ich prophezeie, dass das so lang gar nicht mehr hin sein wird. Insofern ist das soziale Miteinander während des Fernsehkonsums derzeit ein hübsches Phänomen, es bleibt aber nicht von Dauer.

Vor allem Hegenbergers kühne Behauptung, dass im “Second Screen” (also den Tablet-PCs und Smartphones) keine Inhalte stattfänden, ist schon bemerkenswert. Das ist doch bereits jetzt der Fall, dass natürlich auch dort inhaltlich viel passiert. Wie kann man der Meinung sein, Fernsehen sei nach wie vor das dominierende Leitmedium? Wie schon erwähnt: Hegenberger möchte wohl nur für seine Fernseh-Begleitservice-Seite die Werbetrommel rühren. Die ist zwar handwerklich tatsächlich gut gemacht, hat mich aber jetzt nicht wirklich als innovative Seite packen können. Die Zukunft aller Medien – nicht nur des Fernsehens – liegt in der Kreativität und dem Mut zu neuen Ideen. Wer das dann hinterher wie vermarktet und verwurstet, spielt dabei eine Nebenrolle.


geschrieben am 08.05.2012 von Fernsehkritiker ·   28 Kommentare Kommentar hinterlassen

Wahrlich bemerkenswert, was sich da heute Nachmittag während der Live-Übertragung des Bundesparteitags der Piraten auf Phoenix abspielte. Da beginnt der Sender um 16 Uhr seine Schalte und muss sie kurz darauf schon wieder abbrechen. Grund: Weil gerade eine geheime Wahl stattfinde, dürften keine Kameras im Saal laufen. Natürlich ist es untersagt, in Wahlkabinen zu filmen oder Anwesende nah heranzuholen, die gerade ihren Wahlzettel ausfüllen. Aber hier war die Situation folgende: Der Moderator Thomas Bade steht vor der Kulisse des Parteitages, man sieht im Hintergrund Hunderte Piraten herumschwirren. Es sind kaum Gesichter zu erkennen geschweige denn Wahlzettel. Ich habe daraufhin dann meine Empörung über diesen Vorfall getwittert, denn ich halte diese übertriebene Panik für lächerlich. Vor allem ist es nicht gerade professionell und zudem höchst peinlich, Phoenix während der Live-Übertragung (!) plötzlich zu sagen, dass die Kameras abgestellt werden sollen. Einer der Anwesenden hält sogar die Handfläche vor die Kamera, was eine Form von Zensur darstellt.

Kaum war mein Tweet verschickt, erntete ich den erwarteten Shitstorm. Dies sei ja schließlich “Gesetzeslage”, dass geheime Wahlen nicht gefilmt werden dürften, twitterten mir welche zurück. Und ob ich es denn gut finden würde, wenn man mich bei einer geheimen Wahl filmen würde (als wenn dies hier der Fall gewesen wäre). Um es mal aufzuklären: Es gibt kein Gesetz, das die Aufnahme einer Totale während eines wählenden Parteitags verbietet. Und es ist auch nicht üblich. Phoenix übertragt alle Bundesparteitage der etablierten Parteien, teilweise acht bis zehn Stunden am Stück, und tut dies selbstverständlich auch während der geheimen Wahlen. Auch Übertragungen aus dem Deutschen Bundestag etwa sind üblich, während geheime Wahlen ablaufen. Entscheidend ist, dass das Wahlverhalten eines Einzelnen nicht nachvollziehbar ist – und davon konnte hier nun wirklich keine Rede sein.

Wer sich den Vorfall anschauen möchte: Ich habe die entscheidenden Szenen zusammengeschnitten.

Nachtrag: Der Bundesparteitag hat das Filmverbot nun gelockert und für künftige Parteitage das Einfangen einer Totale während einer geheimen Wahl zugelassen.

Ein anderer Vorfall, der wiederum von Medienseite her skandalös sein könnte, ist dieser: Delegierte wollen beobachtet haben, wie ein Kamerateam des Fernsehsenders Sat.1 ein kleines Piratenschiff mitgebracht habe, auf dem rechtsradikale Parolen gestanden hätten. Dies sei von dem Team dann während des Parteitages abgefilmt worden. Falls jemandem in der Berichterstattung der kommenden Stunden und Tage eine solche Szene auffällt, bitte melden! Ein Beweisfoto gibt es zumindest:


geschrieben am 28.04.2012 von Fernsehkritiker ·   172 Kommentare Kommentar hinterlassen

Tja, so ist das eben, wenn jemand den falschen Knopf drückt! Da war doch auf der Ticketseite von RTL tatsächlich schon eine Ankündigung online für die große Tournee von DSDS-Gewinner Daniele, der in einem emotionalen und packenden Finale gewonnen habe. Das Problem ist nur: Die Entscheidungsshow von “Deutschland sucht den Superstar” findet erst am kommenden Samstag statt. Die Schlüsse daraus mag jeder für sich selbst ziehen.

Die Seite ist inzwischen wieder offline, aber aufmerksame Zuschauer haben einen Screenshot gemacht:


geschrieben am 25.04.2012 von Fernsehkritiker ·   130 Kommentare Kommentar hinterlassen

Als vor einigen Monaten der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt und der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück in der Talkshow “Günther Jauch” zu Gast waren, da gab es Kritik an der ganz offensichtlichen Werbung für deren gemeinsames Buch “Zug um Zug”. Die Redaktion der Sendung wies dies natürlich zurück, obwohl in der Sendung immer wieder über Inhalte und Zitate des Buches gesprochen und auch das Cover gezeigt wurde. Was ist das denn, wenn nicht Werbung?

An diesem Sonntag betreibt die Redaktion von “Günther Jauch” nun meiner Meinung nach ein weiteres Mal schamlose Werbung für ein Buch. Zu Gast in der Sendung ist Samuel Koch, der am 4. Dezember 2010 in “Wetten, dass…?” einen schweren Unfall erlitt und seitdem querschnittsgelähmt ist, mitsamt seiner Familie. Welch ein Zufall, dass genau einen Tag später Samuel Kochs Buch auf den Markt kommt. Natürlich sei es Samuel Koch gegönnt, dass er für sein Buch Werbung machen kann – nur sollten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen doch gewisse Grundsätze eingehalten werden, die hier meiner Meinung nach verletzt sind.

Ich habe der Redaktion von “Günther Jauch” mehrere Fragen geschickt, die mir auch umgehend beantwortet wurden:

1.) Halten Sie dieses sehr boulevardeske Thema für gut platziert in einer politischen Talkshow? Und wenn ja, warum?

“Das Themenspektrum der Sendung “Günther Jauch” deckt  alle gesellschaftlich relevanten Debatten ab – dazu gehören Themen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Laut der Deutschsprachigen Medizinischen Gesellschaft für Paraplegie leben in Deutschland etwa 100.000 Menschen mit Querschnittlähmung. Samuel Koch ist einer von ihnen.

2.) Warum machen Sie, nach dem Auftritt von Helmut Schmidt und Peer Steinbrück vor ein paar Monaten, erneut unverblümt Werbung für ein aktuelles Buch?

“‘Günther Jauch’ wirbt weder für Bücher  noch für sonstige Produkte.

3.) Erhält Ihre Redaktion bzw. ARD Gelder für diese Buchwerbung am Sonntagabend?

“Selbstverständlich nicht.

4.) Gibt es keine wichtigeren politischen Themen zu besprechen in Ihrer Sendung?

“Die Themen der Sendung “Günther Jauch” werden mal durch aktuelle Ereignisse, mal durch die Redaktion gesetzt. Nach dem wir die vergangenen Sonntage die Benzinpreise in Deutschland und das deutsch-israelische Verhältnis thematisiert haben, widmen wir uns diese Woche dem Thema “Querschnittlähmung”, mit der laut der Deutschsprachigen Medizinischen Gesellschaft für Paraplegie in Deutschland etwa 100.000 Menschen leben.”

Es wird knallhart abgestritten, dass hier für ein Buch Werbung gemacht wird – das finde ich bemerkenswert.

Nur einen Tag später, also am Montag, geht dann wie gewohnt Frank Plasberg mit “Hart aber fair” auf Sendung. Als ich das Thema las, mochte ich es kaum glauben: “Wissen wo der Hammer hängt – was treibt die Deutschen in den Baumarkt?” Zu Gast zu diesem weltbewegenden Thema sind u.a. Sonya Kraus und Uwe Ochsenknecht. Was hat das mit einer politischen Talkshow zu tun? Oder definiert sich “Hart aber fair” gar nicht so? Wirbt die Sendung für sich nicht mit dem Slogan “Wenn Politik auf Wirklichkeit trifft”? Auch hierzu habe ich der ARD ein paar Fragen geschickt und erhielt ebenfalls umgehend Antwort.

1.) Wo trifft in diesem Fall Politik auf Wirklichkeit? (so lautet ja der Slogan der Sendung)

“Der Slogan wird nur dann eingesetzt, wenn in der Sendung auch tatsächlich Politik auf Wirklichkeit trifft. Es war aber bei “hart aber fair” schon sehr häufig so, dass dies für das Thema von einigen Sendung nicht zutraf und dann wird der Slogan in den Trailern zur Sendungsankündigung konsequenterweise auch nicht verwendet.

2.) Gibt es derzeit keine interessanten politischen Themen, über die man sprechen könnte?

“‘Hart aber fair” hat sich neben politischen und gesellschaftlichen Themen fallweise immer wieder auch allgemeineren Themen von öffentlichem Interesse zugewandt. Die haf-Ausgabe am kommenden Montag ist so eine Sendung.

3.) Was versprechen Sie sich als ARD von dieser Sendung?

“Die Deutschen sind passionierte Heimwerker: Im vergangenen Jahr gaben sie statistisch gesehen pro Kopf  540 Euro in Bau- und Heimwerkermärkten aus. Das ist Spitze in Europa und mehr als der durchschnittliche Franzose und der durchschnittliche Brite zusammen. Wir treffen mit der Sendung also das Lebensgefühl vieler Leute, denn im Frühjahr nimmt die Heim- und Hobbygärtnersaison an Fahrt auf. Wir geben Tipps und bieten Service – das hat bei „hart aber fair“ Tradition. Und wir fragen kritisch nach: Wie sieht’s z.B. mit Tropenhölzern in Baumärkten aus, was besagen Gütesiegel? „hart aber fair“ setzt an diesem Montag selbst ein Thema, das der Alltagswelt der Zuschauer sehr nah ist.”

Bemerkenswert ist in jedem Fall die Feststellung, dass ein Slogan zu einer Show nur dann benutzt wird, wenn er auch passt – da stellt sich die Frage nach dem Sinn eines solchen Slogans.


geschrieben am 20.04.2012 von Fernsehkritiker ·   54 Kommentare Kommentar hinterlassen

Im Publikum bei DSDS – Ein kleiner Erfahrungsbericht von René

“Wir nehmen jetzt erstmal ein paar Appläuse auf” – Appläuse. Da saß ich nun im Publikum der vierten Mottoshow von DSDS und musste an diesem Abend nicht das erste und letzte Mal schmunzeln. Aber von Anfang an.

Ich behaupte, mit meinen Mitte 20 nicht unbedingt in die Kernzielgruppe von “Deutschland sucht den Superstar” zu fallen. Aber als sich mir dank eines glücklichen Zufalls die Möglichkeit bot, kostenlos eine der Mottoshows anzuschauen, musste ich nicht lange nachdenken. Nicht, dass ich den Namen eines einzigen Kandidaten gewusst hätte, aber mal bei dem größten und erfolgreichsten Castingformat Deutschlands hinter die Kulissen zu schauen, das fand ich spannend.

Wir fanden uns also bereits gegen 18 Uhr vor dem Studiogebäude ein, wo direkt die großen Reisebusse mit Schweizer Kennzeichen auffielen. Ein nicht unerheblicher Teil des Publikums schien aus Freunden und Familienmitgliedern der Kandidaten zu bestehen. Und damit man auch direkt weiß, wer zu wem gehört, trugen die auch meistens lustige T-Shirts mit dem Konterfei ihres Kandidaten, manche sogar Masken oder Kappen.

Diese Pulks an Fans, zwischen 20 und 50 Leuten, wurden draußen vor dem Studio erstmal von einem Kamerateam abgeklappert. Wichtig war dabei der Animateur. Der forderte dann auf, mal richtig dolle zu jubeln und der Kameramann hielt die Kamera etwa aus Kniehöhe nach oben und wenn man 2-3x hektisch von links nach rechts fuhr, sah das später im TV nach riesiger Menschenmenge aus.

Im Studio selbst gab es dann drei große Fraktionen an Fanpulks, für Kristof, Daniele und Hamed. Man muss sich mal vorstellen, wie sehr so eine DSDS-Teilnahme für eine Familie ins Geld gehen muss. Ob RTL den Familien Rabatte einräumt?

Nachdem wir im Studio also unsere Plätze eingenommen hatten, drehte der lustige Animateur erst mal die Musik laut auf, gezwungene Malle-Partystimmung mit Aviciis “Levels”, inklusive “Ich sag’ Dieter, Ihr sagt Bohlen”-Part.

Dann ging es auch schon los mit den “Appläusen”. Der Animateur erklärte uns, dass sie zwei Sequenzen aufnehmen müssten, für die Sonntagswiederholung und zum Einblenden in besonders emotionalen Momenten. Einmal nur Applaus im Sitzen und dann Applaus im Sitzen beginnend und in Standing Ovations übergehend. Die Familien der Kandidaten gaben sich dabei schon sehr routiniert. Insgesamt schien das für alle total okay und normal zu sein, dass man erst Eintritt bezahlt und dann als Statist herhalten muss.

Überspringen wir die offensichtlichen Dinge, die man auch von Zuhause beobachten kann, wie die Tatsache, dass die wenigsten Songs zum Motto “Ab in den Süden” passen und dass man den später von Fanmags und Bild-Zeitung aufgebauschten “Eklat” als Dieter Bohlen das Studio verließ für inszeniert halten konnte.

Ich war besonders neugierig darauf, was in den Werbepausen passiert. Wenig überraschend werden dann die Moderationen von Marco Schreyl für die Sonntags-Wiederholungen aufgezeichnet. Und unabhängig davon, was man von Schreyl halten mag, er ist 100% konzentriert, fokussiert und brauchte für keine Moderation mehr als einen Versuch. Gut, die DSDS-Sonntagswiederholung ist nicht die Oscar-Verleihung, aber diese Routine von Marco Schreyl und der ganzen Crew fand ich beeindruckend. Auch hier wird das Publikum aber wieder als Klatschfutter gefordert: Ruhig die ganze Moderation durchklatschen. Vielleicht sogar im Stehen? Und das Publikum macht das auch, wie frenetische Duracell-Häschen wird da alles gegeben.

Womit ich an einem weiteren interessanten Punkt bin. Marco Schreyl behauptete in einer Moderation, im Studio befänden sich 1400 Zuschauer. Ausgehend von meiner Platznummer und der Anzahl an Rängen würde ich eher von 800 Personen ausgehen.

Eine interessante Szene ergab sich während einer der Werbepausen. Die Bühne musste von Konfetti befreit werden und aus dem Hintergrund huschten einige Personen mit Besen auf die Bühne. Dann erhob sich Dieter Bohlen vom Jurytisch, ließ sich einen der Besen geben und fegte mit. Dass das keine RTL-Inszenierung war, merkte man daran, dass die Kamera erst draufhielt, als Bohlen den Besen wieder zurückgab. Trotzdem könnte man mit ein bisschen Argwohn vermuten, dass Dieter Bohlen sich so selbst als crewverbunden inszeniert hat.

Auch die Kandidaten schienen genau instruiert worden zu sein. Das ständige gegenseitige Händeschütteln und Umarmen kam speziell bei den Jüngeren im Publikum sehr gut an, scheint aber Bestandteil eines guten Coachings gewesen zu sein. Selten entglitten den sieben Kandidaten mal die Gesichtszüge.

Sehr professionell ist die Crew auch, was die Bühnenumbauten angeht. Bei der Bühnendeko funktionierte bei einem dieser Bögen die Beleuchtung nicht. Es wurde kurz probiert und nachdem in dem straffen Zeitfenster keine Lösung gefunden wurde, so gefilmt, dass es nicht auffiel. Insbesondere bei Danieles Auftritt wurde die Routine deutlich. Die Bühnendeko wurde auf einem Rollwagen gestapelt hereingefahren und verließ die Bühne nach dem Auftritt auch wieder exakt so gestapelt wieder. Genauso beeindruckt war ich, als ich bemerkte, dass die Tänzer und Tänzerinnen immer die gleichen sind, bei jedem der Auftritte. Sieben Choreographien lernen ist sicherlich nicht ohne. Das heißt, die Tänzer sind absolute Profis – oder die Songs für die Samstags-Show müssen schon sehr früh feststehen. Fernsehkritik.tv-Zuschauer dürften von der Feststellung, dass die Kandidaten sich die Songs nicht selbst aussuchen, wenig überrascht sein.

In der Entscheidungsshow habe ich leider zu spät auf den Notar geachtet. Für mich steht auf jeden Fall fest, dass er nicht bis zum letzten Moment persönlich irgendetwas überwacht. Er stand eine ganze Weile am Bühnenrand und ging dann eines der Podeste herauf und wieder herunter, um Marco Schreyl den Umschlag in die Hand zu drücken und wieder zu gehen. Dort stand er aber auch in den letzten Minuten, in denen die Leitungen noch geschaltet waren schon.

Während der Show hatte ich im Publikum ein Mädchen um die 12 Jahre entdeckt, das sich ein Wende-Schild gebastelt hatte. Auf der einen Seite jubelte sie für Daniele, auf der anderen für Hamed. Ich fand das zunächst sehr lustig, bis ich feststellte, dass das schlichtweg genial war: Mindestens einer ihrer beiden Lieblinge würde weiterkommen. Da soll noch einer sagen, RTL würde die Kinder verdummen…

Was habe ich mitgenommen? Die Feststellung, dass bei RTL auch nur mit Wasser gekocht wird. Dass DSDS eine straff durchorganisierte Veranstaltung ist. Dass Marco Schreyl zumindest zeitweise ein professioneller Moderator ist. Und dass ich jetzt alles gesehen habe und mir keine weitere Mottoshow anschauen muss. Weder vor Ort, noch im TV.


geschrieben am 18.04.2012 von Fernsehkritiker ·   38 Kommentare Kommentar hinterlassen

Wenn es ums Internet und den Datenschutz geht, sind es ja besonders die Öffentlich-Rechtlichen, die gern mal laut auf die Pauke hauen und manche Sachverhalte dramatischer darstellen als sie in Wahrheit sind. Umso erstaunlicher ist es unter diesem Gesichtspunkt, was der Westdeutsche Rundfunk auf DIESER Seite treibt. Zu sehen ist ein 360-Grad-Foto, das am vergangenen Samstag im Stadion von Schalke 04 vor dem Spiel gegen Borussia Dortmund aufgenommen wurde. Die Aufnahme ist so hochauflösend, dass man durch Heranzoomen jedes einzelne Zuschauer-Gesicht einwandfrei erkennen kann. Und das ist noch nicht alles: Zudem wird die Möglichkeit geboten, mittels Facebook sich selbst zu markieren bzw. einem Freund vorzuschlagen, sich zu kennzeichnen. Da stellt sich die Frage: Ist das datenschutzrechtlich noch verantwortbar? Natürlich: Ein Fußballspiel ist eine öffentliche Veranstaltung und jeder Besucher muss damit rechnen, von einer Kamera eingefangen zu werden. Dennoch ist dies noch etwas anderes: Hier wird ein Gesamtschnappschuss von allen gemacht – egal, wie dumm manch Einzelner vielleicht in dem Moment gerade guckt. Trotz aller Öffentlichkeit sind die Fans als Privatmenschen ins Stadion gekommen.

Der WDR verteidigt die Panorama-Aufnahme auf Anfrage und verweist darauf, dass jeder Zuschauer dazu berechtigt ist, sich nachträglich anonymisieren zu lassen. Leider nur führt ausgerechnet der Link “Hilfe und Infos zur Verpixelung” ins Nirgendwo (Stand: 17.April, 23:45 Uhr). So genau scheint man es also damit nicht zu nehmen. Des weiteren weist der WDR darauf hin, dass man die Zuschauer vor dem Spiel auf diese Aktion hingewiesen habe (u.a. über den Stadionsprecher). Da stellt sich die Frage: ja und? Keiner der Anwesenden hätte sicher das Stadion deswegen verlassen und sein Geld zurück verlangt – dafür war das Revierderby ein zu großer Knaller. Was hätte der Sender denn gemacht, wenn auch nur ein Zuschauer im Stadion mitgeteilt hätte, er wolle dies nicht? Hätte man die Aktion dann abgeblasen? Wohl kaum.

Sicherlich ist es letztendlich eine harmlose und sogar lustige Aktion. Dennoch: Wenn uns das Fernsehen immer wieder vor Facebook warnt, dann sollte es selbst auch mit gutem Beispiel vorangehen. Auf Fan-Seiten wird jedenfalls bereits heftig darüber diskutiert.


geschrieben am 17.04.2012 von Fernsehkritiker ·   88 Kommentare Kommentar hinterlassen

Dass eine Teilnahme bei einer TV-Show jetzt schon über Ebay versteigert wird, soweit ist es wohl noch nicht (oder doch?). Aber bis zu den Kleinanzeigen bei Ebay haben es die TV-Sender inzwischen geschafft. Inmitten von privaten Anzeigen für alte Möbel und Schallplatten findet sich dann plötzlich eine Anzeige wie diese hier (Original-Link):

Um welche Sendung es sich handelt, wird dem arglosen Leser natürlich erstmal nicht mitgeteilt. Unter falschem Namen habe ich einfach mal angefragt – und bekam dann diese Antwort:

“Bei der Sendung handelt es sich um das Messieteam auf Kabel 1. Ein Entrümplungsteam und eine Therapeutin, die den Menschen hilft, auszusortieren, bzw. zu entscheiden was weg kann, unterstützen die Protagonisten. Wenn du den Mut hast,mitzumachen, schicke uns bitte eine mail mit deinen Kontaktdaten an manitwocast@aol.com.

Herzliche Grüße
Das Team von Manitwo”
Soso, wenn ich den Mut habe! Soll wohl eher heißen: Wenn ich so naiv bin! Ziemlich dreist auch, die Anzeige mittels der Überschrift so hinzudrehen, dass sie in die Kategorie “Zu verschenken” passt, denn dort fischt man ja auch am ehesten die Klientel, die für ein bisschen Geld oder Materialien fast alles tun würde. Hinter all dem steckt die Castingagentur “manitwo”, bei der schon ein Blick auf die Startseite reicht, um zu sehen, wohin der Hase läuft. Die sind übrigens auch verantwortlich für das WDR-Format “Yvonne Willicks”, welches ich Ihnen ja in Folge 89 vorgestellt habe. Nun dürfte einiges klar werden.
Natürlich hat manitwo noch mehr Kleinanzeigen bei Ebay geschaltet, alle nach dem selben Schema:

geschrieben am 04.04.2012 von Fernsehkritiker ·   50 Kommentare Kommentar hinterlassen

Das war doch ein schönes Wochenende: Am Freitagabend einen spontanen Live-Talk im Hotelzimmer und dann am Samstag mit Videocamp, YouTuber-Treffen und der Verleihung des Deutschen Webvideopreises drei gelungene und kurzweilige Veranstaltungen! Was den Webvideopreis angeht, freue ich mich auch darüber, dass einige meiner persönlichen Favoriten Preise mitnehmen konnten. Jeder kann sich vorstellen, dass ich mich über den Erfolg des mutigen ZiB-Videos freue. Wir als Jury haben diesen Protest von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des österreichischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit gleich zwei Preisen versehen (Kategorien IMHO und EPIC). Mich hat aber auch gefreut, dass in der Kategorie IMHO ebenso das Publikum für den Clip abgestimmt hat. Auch bin ich erwartungsgemäß erfreut, dass Pete Schillings Dokumentarfilm “Mad World” den Publikumspreis in der Kategorie FYI gewonnen hat. In dem Video kommen Opfer und Betroffene von “Reality-TV” zu Wort. Und natürlich freue ich mich auch über den Publikumspreis für Klaus Kauker, der sich zum kompetenten Online-Wächter über gutes Musikfernsehen entwickelt.

Vollkommen irre und für mich überraschend war, dass etwa eine Stunde vor der Gala Moderator Christoph Krachten von Clixoom auf Coldmirror und mich zukam, um uns spontan als rasende Reporter auf dem roten Teppich vor dem Savoy-Theater einzusetzen. Coldmirror hatte keine große Lust – also stand ich plötzlich allein da mit dem Mikro und war live ausgerechnet auf prosieben.de auf Sendung. Ich weiß nicht, ob dieses Material irgendwo nochmal auftauchen wird, einige haben es ja live gesehen. Unklar war dann zwischendurch, ob wir überhaupt live drauf sind. In der Annahme, wir seien es nicht, ließ ich mich dann zu einem kleinen Bashing gegen Herrn Tutoral hinreißen. Ups! Die Webvideopreis-Gala selbst soll auf jeden Fall noch ins Netz gestellt werden, ich werde darüber informieren.

Zuvor hatte es ja bereits das YouTuber-Treffen gegeben. Einen kleinen Einblick, was da so los war, bietet dieses Video. Ab Minute 7 erscheine ich auch kurz! Sehr schön sieht man auch, was rund um den erfolgreichen Let’s Player Gronkh so los war. Als er die Halle betrat, dachte ich wirklich, Justin Timberlake persönlich schaue vorbei. Wahnsinn, was der Typ für eine Fangemeinde hat.

Was die Spenden-Aktion angeht, sind wir bereits nach vier Tagen auf der Zielgeraden – ich bin geplättet! Sobald die Spendenuhr voll ist, werde ich mich dazu nochmal in einem Clip äußern. An dieser Stelle aber auch schon mal ein FETTES DANKE für diese tolle Unterstützung.


geschrieben am 01.04.2012 von Fernsehkritiker ·   11 Kommentare Kommentar hinterlassen

So, jetzt geht’s langsam auch finanziell wieder mal ans Eingemachte. Mir liegen diverse Kostenbescheide vor, die im Verfahren gegen RTL leider umgehend bezahlt werden müssen. Insgesamt beläuft sich der derzeit offene Betrag auf 7033,77 Euro. Jegliche Versuche unsererseits, den Streitwert spürbar zu senken und die beiden parallel laufenden Verfahren für das “Scheiß RTL”-Shirt und die abgewandelte “Mülltonnen”-Version zusammenzulegen, scheiterten. Somit liegt der Streitwert bei beiden T-Shirts bei JEWEILS 100.000 Euro, also insgesamt 200.000 Euro. Sowas macht sich natürlich bemerkbar auch in den Kosten.

Akut sind zu bezahlen: zweimal 1284 Euro Gerichtskosten und zweimal RTL-Anwaltskosten (1806,27 Euro und 1803,20 Euro) – dazu kommt noch ein kleinerer Betrag von 856,30 Euro für meinen ersten Anwalt, da dieser ja (leider vergeblich) versuchte, die Einstweilige Verfügung gegen das Mülltonnen-Shirt mit einer vorformulierten Schutzschrift zu verhindern. Rechnungen meines Anwalts, der mich gegen RTL vertreten wird, liegen noch nicht vor.

Gut 2000 Euro habe ich derzeit noch auf der hohen Kante. Deswegen liegt der akut benötigte Betrag bei 5000 Euro. Ich hoffe natürlich, dass ich nun alsbald auch mal mein Geld aus München zurückbekomme. Dort habe ich im September 2011, also vor einem halben Jahr, einen Prozess gewonnen und bis heute keinen Cent zurückerhalten – weder Gerichts- noch Anwaltskosten. Dies liegt unter anderem daran, dass die Firma Primavera untergetaucht ist und es schwer ist, von denen Geld einzutreiben. Unsere Aussichten, vom Hamburger Verfahren noch Geld zurückzubekommen, sind leider trübe: Wir haben dort ja damals vorschnell ein Urteil anerkannt – der größte Fehler meines Lebens, der aber nun nicht mehr zu korrigieren ist. Nach einem Anerkenntnis noch Geld zurückzubekommen ist nahezu aussichtslos. Aber jeder Cent, den ich von den Verfahren in München und Hamburg zurückerhalte, fließt natürlich komplett in den Spendentopf.

Ich habe HIER auch noch einen persönlichen Aufruf eingestellt.

Spenden können Sie per Paypal (spenden@fernsehkritik.tv) oder aufs Spendenkonto: Holger Kreymeier, Hamburger Sparkasse, BLZ 200 505 50, Konto 1317468310.

Nachfolgend noch die einzelnen Kostenbescheide im Überblick:

Kostenbescheid meines früheren Anwalts u.a. für die Schutzschrift: 856,30 Euro

Kostenbescheide des Gerichts (zweimal 1284 Euro):

Kostenbescheide über die gegnerischen Anwaltskosten: (1806,27 Euro und 1803,20 Euro):

Die Spendenuhr auf unserer Startseite zeigt an, wie der Stand der Dinge ist. Sobald die 5000 Euro erreicht sind, wird die Aktion sofort gestoppt.

Ich sage dann schon mal: DANKE für die Unterstützung! Der Kampf geht weiter!


geschrieben am 28.03.2012 von Fernsehkritiker ·   454 Kommentare Kommentar hinterlassen
« Vorherige Einträge