TonAshot hoaxshot

Massengeschmack-TV startet in die Sommerpause – aber nicht ohne noch zwei Premieren von Magazinen zu präsentieren, die ab August zweimal pro Monat das Portfolio unseres Portals bereichern werden.

In Hoaxilla-TV geht es um Verschwörungstheorien. Alexa und Alexander Waschkau betreiben ihren gleichnamigen Audio-Podcast schon seit vier Jahren und haben sich eine ansehnliche Community erarbeitet. Pro Folge nehmen sie sich eine Verschwörungstheorie vor, räumen mit angeblichen Fakten auf, beschreiben detaillliert, was dahinter steckt. Wir freuen uns, künftig auf Massengeschmack exklusiv die Bild-und-Ton-Variante von Hoaxilla präsentieren zu dürfen. Den Piloten gibt es selbstverständlich kostenlos – auf Massengeschmack und auch auf YouTube.

In TonAngeber hat unser Nils nun endlich Gelegenheit, seiner Leidenschaft für die Musik Ausdruck zu geben: Er begrüßt im Studio live Musiker, rechnet gnadenlos mit den aktuellen Album-Charts ab und stellt natürlich vor allem Neuerscheinungen vor. Auch Klaus Kauker, der bislang Musikkritiken für Pantoffel-TV ablieferte, wird ab sofort in TonAngeber CDs rezensieren. Auch hier gibt es die Folge 1 kostenlos für alle auf Massengeschmack und auf YouTube.

Ab sofort können Sie diese Magazine auf Massengeschmack-TV buchen – das Komplettpaket für je 12 weitere Folgen aller acht Magazine bieten wir bis zum 30. Juni 2014 als Sommer-Sonderangebot für 29,90 Euro an (späterer Preis für dann 37,90 Euro). Auch wenn wir unser Programm erst im August fortsetzen, haben Sie natürlich bei sofortiger Buchung bereits den Archivzugang. Als kleines Geschenk für Komplettpaket-Abonnenten bieten wir dazu jetzt auch die DVD “Das Studio Vol. 2″ an – wahlweise ist aber auch nach wie vor Vol.1 unserer beliebten wöchentlichen Dokusoap-Parodie zu bekommen. Wer bereits ein Komplettpaket hat, bezieht automatisch jetzt auch die beiden neuen Magazine.

studio2covervorn

Außerdem haben wir bei der Gelegenheit die Massengeschmack-Seite überarbeitet. Eine Startseite im herkömmlichen Sinne gibt es nicht mehr, stattdessen werden direkt die Clip-Vorschauen angezeigt. Und neu ist: Jede Folge eines Magazins ist auch einzeln zu erwerben – ohne Abschluss eines Abos. Dies ist immer wieder als Wunsch von Zuschauern geäußert worden.

Wir hoffen, mit dem erweiterten Angebot Massengeschmack-TV nicht nur umfangreicher, sondern vor allem auch attraktiver gemacht zu haben. Kommen Sie gut durch den Sommer – ab August geht es mit 16 neuen Folgen pro Monat sowie weiteren Extras richtig rund bei uns!

Diskussion zum neuen Massengeschmack-Angebot HIER.

Diskussion zu “TonAngeber” HIER.

Diskussion zu “Hoaxilla-TV” HIER.

 


geschrieben am 17.06.2014 von Fernsehkritiker ·

An diesem Montag ist natürlich für Fußballfans ein besonderer Tag, denn die deutsche Elf tritt zum ersten Mal zur WM an. Aber auch in anderer Hinsicht ist dieser Tag wichtig: Denn es ist wieder mal Bloomsday! Die Iren, insbesondere die in Dublin, feiern diesen Tag auf besondere Weise: Es werden in einer Art Tour de Force Kneipen, Geschäfte und andere Orte abgeklappert, die im 1904 erschienen Roman “Ulysses” von James Joyce eine Rolle spielten. In dem Buch streift die Hauptfigur Leopold Bloom am 16. Juni durch Dublin, trifft viele Menschen und macht immer wieder Halt an diversen Orten, etwa einem Seifengeschäft oder auch viele Pubs. Für die Iren, aber auch Touristen, ist das jedes Jahr aufs Neue ein Riesenspaß, Blooms irrer Tour durch Dublin nachzueifern, natürlich ist das für die entsprechenden Geschäfte (die zum Großteil immer noch existieren) auch zu einer lukrativen Angelegenheit geworden.

Wo ist da nun der Bezug zum Fernsehen? Dies ist dem Schriftsteller Walter Kempowski zu verdanken, denn der hat 1997 das Buch “Bloomsday ’97″ veröffentlicht, in dem er eine ganze eigene schräge Tour verarbeitete: Er schaute am 16. Juni 1997 einen ganzen Tag lang Fernsehen und führte dabei ein Wortprotokoll. Er schrieb also alles auf, was während seiner stundenlangen Zappings so an Hirnlosigkeiten, aber auch gelegentlich klugen Dingen, so gesagt wurde. Kempowski hatte sozusagen die verrückte Idee, statt durch Dublin durch die TV-Landschaft zu streifen. Das Buch liest sich so schmerzvoll wie es sich anhört.

Im Jahr 2009 wiederum hatte ich dann die Idee, statt der Buchversion eine audiovisuelle Tour durchs TV-Programm zu unternehmen. Damals schon rief ich viele Zuschauer von Fernsehkritik-TV auf, sich an dem Projekt zu beteiligen – und sie taten es erfreulicherweise auch und schnitten jede Menge TV-Programm am 16. Juni 2009  für mich mit. Das Ergebnis ist ein etwa dreiviertelstündiger Film, der inzwischen auch auf YouTube zu sehen ist.

Jetzt, fünf Jahre später, möchte ich dieses Experiment erneut durchführen. Aber dies kann ich natürlich nur, wenn sich erneut Zuschauer an dem Projekt beteiligen. Diverse Leute haben sich bereits gemeldet und sind dabei – aber je mehr desto besser. Insbesondere die kleinen Sender, regionale Kanäle, aber auch Spartensender, würden mir ohne Hilfe rasch durch die Lappen gehen – und dort hat man womöglich hinterher die dankbarsten Fundgruben.

Wenn Sie auch Lust und Zeit haben, mir TV-Programm vom 16. Juni 2014 mitzuschneiden, dann melden Sie sich bitte unter [email protected] . Sofern Sie mir das Material hinterher per Post schicken, erstatte ich selbstverständliche jegliche Kosten. Auch Festplatten oder USB-Sticks würde ich natürlich umgehend wieder zurücksenden.

Der fertige Film wird dann hinterher auf Massengeschmack-TV veröffentlicht und mit Verzögerung auch später auf YouTube.

Herzlichen Dank!


geschrieben am 15.06.2014 von Fernsehkritiker ·

Das war ja schon harter Tobak, was der ehemalige ARD-Moderator und Wetterexperte Jörg Kachelmann da heute in seinem Blog heraushaute. Er wirft dem WDR nicht nur Versagen im Zusammenhang mit der Berichterstattung über das schwere Unwetter am Pfingstmontagabend vor, sondern macht sogar WDR-Intendant Tom Buhrow persönlich verantwortlich dafür, dass sechs Menschen während der Wetterkatastrophe ums Leben kamen und weitere teils schwer verletzt wurden.

Nun ist es immer schwierig, jemanden indirekt verantwortlich zu machen, wenn Menschen sterben. Richtig aber ist, dass der WDR gestern als öffentlich-rechtlicher Sender komplett versagt hat. Denn zu seinen Aufgaben gehört es natürlich auch, rechtzeitig und deutlich Unwetterwarnungen zu kommunizieren und in besonders gefährlichen Situationen auch als vermittelndes und helfendes Medium zu agieren. Und wie das Ganze innerhalb des WDR strukturiert ist, dafür ist letztlich die Chefetage des Senders verantwortlich – wer sonst?

Kachelmann, der selbst viele Jahre lang als Wetterexperte im TV tätig war und daher weiß, wovon er spricht, hatte bereits am Pfingstmontagmorgen angedeutet, dass da etwas Schlimmes auf die Region NRW zukommen könnte, denn von Westen her braute sich bereits kräftig was zusammen:

kachelmann1143

 

kachelgedoens

 

Natürlich lässt sich hinterher immer sagen: Da hat es einer besser gewusst. Und zur ganzen Wahrheit gehört auch, dass der WDR jede offizielle Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes umgehend meldet. Aber reicht das? Unwetterwarnungen gibt es öfter mal, man überhört sie auch leicht mal. Rundfunk und Fernsehen hätten am Pfingstmontag, insbesondere in den frühen Abendstunden, viel eindringlicher vor einem schweren Unwetter warnen müssen. Um 18:25 Uhr jedenfalls veröffentlichte Wetter Online diese eindeutige Grafik, die das heranrauschende Unwetter bereits deutlich dokumentierte:

unwetter

 

Die gelben Punkte sind übrigens Blitze und dokumentieren, was da in geballter Form im Anmarsch war.

Der WDR übertrug den ganzen Nachmittag und Abend live das Birlikte-Festival in Köln, welches zum 10. Jahrestag des Nagelbomben-Anschlags mit 22 Verletzten in der Kölner Keupstraße veranstaltet wurde. Auch zu dieser Zeit. Diverse Größen aus dem deutschen Musik-Business wie Udo Lindenberg, BAP und Clueso traten auf. Der WDR begleitete dieses Ereignis auch auf Twitter live mit immer wieder neuen Meldungen wie etwa dieser hier:

wdrbirlikte

 

Das war um 19:26 Uhr, als in Belgien bereits die Katastrophe real war und die ersten Bilder von dort auch uns erreichten. Spätestens, allerspätestens hier, hätte der WDR auf allen Ebenen eine deutliche und unmissverständliche Warnung herausgeben müssen – hat er aber nicht. Der Fokus des WDR lag ausschließlich auf diesem Festival – im Fernsehen, im Rundfunk, auch auf Twitter und Facebook. Dabei wäre im Fernsehen eine gute Gelegenheit gewesen. Wollte man möglicherweise nicht innerhalb des Übertragung des Birlikte-Festivals damit kommen (immerhin ja ein sensibler Anlass), so wäre ja die zwischendurch ausgestrahlte “Aktuelle Stunde” von 19:10 Uhr bis 19:30 Uhr die ideale Gelegenheit gewesen. Dass es tagsüber bereits zu einigen kleinen Unwettern gekommen war, wurde in der Sendung zwar zum Thema gemacht, allerdings immer mit Blick auf die Vergangenheit. Und ein in einem Beitrag interviewter Wetterexperte von MeteoGroup gab eher einen missverständlichen, als hilfreichen O-Ton ab:

torstenwalter

 

Zitat: “Wir können nur anhand des Radars derzeit genaue Prognosen abgeben, allerdings erst einige Stunden vorher. Wir können also noch nicht sagen mit großer Bestimmtheit, welche Region heute Abend und in der kommenden Nacht am stärksten von Gewittern betroffen sein werden.” Dieser gesendete O-Ton war mit Sicherheit schon einige Stunden alt, denn zu diesem Zeitpunkt war bereits eindeutig zu prognostizieren, wohin die Reise geht. Die “Aktuelle Stunde” wäre besser beraten gewesen, eine Live-Schalte zu einem Wetterdienst zu organisieren oder einen Experten live im Studio zu begrüßen. Zum Ende der Sendung dann folgt der Wetterbericht, der wortwörtlich so lautete: “In der Nacht, da gibt es Regen, auch heftige Gewitter, Hagel und Sturmböen sind drin. Später klart es auf, die Temperaturen: ja, es bleibt mild, 21 bis 16 Grad. Es kühlt also wenig ab. Morgen am Dienstag dann sommerlich und wieder schwül warm. Erste Gewitter am Vormittag, nachmittags und abends wieder heftige Gewitter, Hagel und Sturmböen möglich. Temperaturen 26 bis 30 Grad, an der Weser auch bei 32 Grad. Am Mittwoch auch Gewitter, später dann vom Münsterland her Sonne. 22 bis 26 Grad, es ist nicht mehr ganz so warm. Donnerstag und Freitag heiter und trocken und angenehm warm.” Wir machen uns nochmal klar: Zu einem Zeitpunkt (kurz vor 19:30 Uhr), als ein schweres und lebensbedrohendes Unwetter schon eindeutig absehbar war, gab es in der “Aktuellen Stunde” keine einzige klare Warnung. Diese hätte spätestens zu diesem Zeitpunkt erfolgen müssen – und zwar über TV, Radio und Internet.

Der WDR schaltete dann wieder zurück zur Übertragung des Birlikte-Festivals und unterbrach diese erneut um 20 Uhr für die “Tagesschau”. Auch hier war in der gesamten Sendung keine Rede von einer nahenden Wetterkatastrophe, obwohl das Unwetter inzwischen schon heftigst über NRW wütete. Unser Tschernobyl-Fan und Unwetter-Filmer Gerrit nahm genau zu diesem Zeitpunkt ein Video auf, das u.a. später in den Yahoo-Nachrichten gezeigt wurdeIn der parallel laufenden “Tagesschau” wurde lediglich im Wetterbericht am Ende auf die Wetterlage eingegangen – und zwar mit folgenden Worten: “Zwischen einem Hoch an der Adria und einem Tief bei Irland strömt morgen noch heiße Luft zu uns. In den folgenden Tagen kühlt es etwas ab. In der Nacht ziehen über den Norden und Westen noch einige zum Teil unwetterartige Gewitter. Es gibt entsprechende Warnungen des Deutschen Wetterdienstes. Weiter Richtung Süden und Osten ist es oft klar. Morgen wird es im Osten wieder meist sonnig. Auch sonst ist es zunächst oft freundlich. Später entladen sich gebietsweise Gewitter mit Unwetterpotenzial durch kräftigen Regen und Hagel. Auch mit schweren Sturmböen ist zu rechnen. Sonst weht der Wind schwach bis mäßig. In der Nacht in der Pfalz laue 23, auch in Berlin noch 20 Grad. In den Alpentälern nur 11. Morgen Höchstwerte von 21 Grad an der Nordsee bis örtlich 37 Grad im Osten. Mittwoch ist es nicht mehr so heiß. Im Norden und Westen scheint oft die Sonne, sonst gibt es neben freundlichen Abschnitten einige Schauer und Gewitter, die zum Teil heftig sind. Der Donnerstag wird überwiegend freundlich, ganz im Süden gibt es noch einzelne Gewitter. Am Freitag im Norden zunehmend unbeständig, in der Südhälfte noch sonnig.” Wir stellen fest: Dass es im Westen bereits zu diesem Zeitpunkt heftigst wütet und das ganze Unwetter zeitnah auch weitere Teile von NRW und später Niedersachsen treffen wird, verschweigt die “Tagesschau”. Insbesondere die später schwer betroffenen Einwohner Düsseldorfs wären gewarnt gewesen, hätte man hier eindringlicher die Gefahr kommuniziert..

Und der WDR krönt das Ganze dann noch folgendermaßen: Unmittelbar nach Fortsetzung der Live-Übertragung des Birlikte-Festivals tritt Sandra Maischberger auf die Bühne und verkündet, dass die Veranstaltung abgebrochen werden muss.

maischbergerbirlikte

 

schade

Zitat: “Wir haben eine Unwetterwarnung bekommen. Das Kontrollzentrum sagt, in etwa 25 Minuten gibt es hier Hagel, Sturmböen. Und wir sind angewiesen worden, an diesem Punkt zu sagen: Die Sicherheit der Besucher geht vor.” Die eigentlich geplante Übertragung des Festivals bis 21:45 Uhr wurde also vorzeitig abgebrochen. Der WDR hätte die nun freigewordene Sendezeit spontan nutzen können, um spätestens jetzt massiv zu warnen und über den aktuellen Stand der Dinge zu berichten. Doch weit gefehlt: Als Ersatzprogramm präsentiert man uns “Die 50 größten Bauwerke in Nordrhein-Westfalen”.

50bauwerke

Während der Sendung wird lediglich immer wieder folgender Lauftext eingeblendet: “Sie sehen ein Ersatzprogramm. Aufgrund eines starken Gewitters über Köln wurde die Veranstaltung Birlikte abgebrochen. Wir bitten um Verständnis.”

50bauwerke2

 

Ein starkes Gewitter über Köln – aha. Ist das vielleicht etwas untertrieben angesichts des unglaublichen Unwetters, welches zu diesem Zeitpunkt bereits NRW voll im Griff hatte?

Wenn man sich anschaut, wie sich die Medien heute, also am Tag NACH der Katastrophen-Nacht, auf Bilder von umgestürzten Bäumen, weggerissenen Dächern und beschädigten Häusern stürzen, kann einem einfach nur schlecht werden. Das gilt auch für den WDR. Je spektakulärer desto besser. Die ARD bringt sogar einen “Brennpunkt”. Ist ja toll, liebe ARD: Gestern wäre ein “Brennpunkt” zur besten Sendezeit im Ersten sinnvoll gewesen – möglicherweise wäre dann tatsächlich der eine oder andere menschliche Schaden abzuwenden gewesen. Die Düsseldorfer hätten sich sicher bedankt.

Diskussion zu diesem Blogtext HIER.


geschrieben am 10.06.2014 von Fernsehkritiker ·

zdf_fernsehrat_polenz_01.20110107-11

Der ZDF-Fernsehrat ist neu gewählt worden – und dass das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe die starke Dominanz der politischen Parteien für verfassungswidrig erklärt hat, interessiert die Politik herzlich wenig. So lange die Damen und Herren nicht gezwungen werden, ihren Anteil zu verringern, tun sie es auch nicht. Sehenswert hierzu ist auch ein Bericht des NDR-Magazins “Zapp”  (ab Minute 18:10). 

Ich habe mich mit drei Fragen an den ZDF-Fernsehrat gewandt – und bekam, wie ich finde, bemerkenswerte Antworten:

1.) Inwiefern haben Sie bei der neuen Zusammensetzung des Fernsehrates das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 25. März mit einbezogen?

Das Bundesverfassungsgericht hat in seiner Entscheidung vom 25.03.2014 den Ländern aufgegeben, “eine Neuregelung, die den verfassungsrechtlichen Anforderungen entspricht und die jedenfalls für die nächsten regulären Wahlen der Aufsichtsgremien maßgeblich ist, bis spätestens 30.06.2015 zu schaffen. Von dem Erlass von Anordnungen für die Übergangszeit wird abgesehen.”  Der Fernsehrat ist somit nicht Herr des Verfahrens, er ist legitim im Amt und arbeitet bis zu dem genannten Termin auf einer klaren Rechtsgrundlage, die ihm durch den bestehenden ZDF-Staatsvertrag vorgegeben ist.
Der Fernsehrat wird schon in seiner nächsten Sitzung am 18.09.2014 beraten, welche Schlussfolgerungen aus der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes vom 25.03.2014 für das Gremium zu ziehen sind. Dabei soll auch diskutiert werden, wie der Fernsehrat seine Arbeit künftig noch transparenter gestalten kann.

2.) Warum sendet die FDP zwei Parteien-Vertreter in den Fernsehrat, aber Grüne, Linke und CSU jeweils nur einen, obwohl diese doch rein prozentual auf Bundesebene ein größeres Gewicht haben?

Gem. § 21 Abs. 1 c ZDF-Staatsvertrag werden die zwölf Vertreter der Parteien entsprechend ihrem Stärkeverhältnis im Bundestag in den Fernsehrat entsandt. Maßgeblicher Zeitpunkt ist die Konstituierung des Fernsehrats, also der Beginn der XIV. Amtsperiode im Juli 2012. Somit basiert die Zahl der Vertreter der jeweiligen Parteien im Fernsehrat auf der damaligen Sitzverteilung im Bundestag nach dem Wahlergebnis der Bundestagswahl vom 27.09.2009 (CDU/CSU-FDP-Koalition).  

3.) Wäre es nicht ein gutes Zeichen gewesen, als Vorsitzenden nicht ausgerechnet einen ehemaligen Generalsekretär der CDU zu wählen?

Herr Polenz wurde aus der Mitte des Fernsehrates für die zweite Hälfte der XIV. Amtsperiode als Vorsitzender vorgeschlagen und gewählt, gemäß der geltenden Geschäftsordnung des Gremiums und in Wahrnehmung seiner organschaftlichen Rechte. Von 47 abgegebenen Stimmen erhielt er 40 Ja-Stimmen und sechs Nein-Stimmen bei einer Enthaltung.

Zu Antwort 1: Selbstverständlich ist der Fernsehrat Herr des Verfahrens. Die politischen Parteien hätten zumindest ihre indirekten Vertreter rausschmeißen können. So sitzt beispielsweise der gerade geschiedene Gewerkschaftsboss Michael Sommer im Fernsehrat, er ist aber auch SPD-Mitglied. Erika Steinbach, die im Bundestag für die CDU sitzt, fungiert als Vertreterin des Bundes der Vertriebenen. Außerdem mischen als “Vertreter der Länder” auch ausschließlich Partei-Leute mit – neben den offiziellen Partei-Vertretern. Wenn man sich die ganze Liste anschaut, hat man das Gefühl, das ist ein lupenreiner Parteienfilz.

Zu Antwort 2: Diese Logik soll jemand verstehen. Der neu gewählte Bundestag, dem die FDP nicht mehr angehört, wurde im September 2013 gewählt. Man greift also jetzt, im Mai 2014, noch auf ein Bundestags-Wahlergebnis von 2009 zurück?

Zu Antwort 3: Wäre ja schön gewesen, wenn die Frage beantwortet worden wäre.

Diskussion zu diesem Blogtext HIER


geschrieben am 22.05.2014 von Fernsehkritiker ·

bananeflagge

Erneut ist eine weitere Verhandlung des Super-Nanny-Prozesses vor dem Landgericht Köln wie das Hornberger Schießen ausgegangen. Wieder sind unsere Zeugen nicht aufgetaucht. Die Schuld dafür liegt aber aus meiner Sicht eindeutig beim Gericht.

Statt dass ich hier eine weitere Bewertung abgebe, soll jeder sich einfach anhand des folgenden Gedächtnisprotokolls des Verfahrensverlaufs selbst ein Bild machen:

RICHTER: Ich eröffne die Verhandlung Aktenzeichen XY. Anwesend sind für die Klägerseite Anwalt Zimmermann, für die Beklagtenseite der Beklage Herr Kreymeier und sein Anwalt Herr Füllwock. Tja, wir hatten ja in unserem Beschluss die Vorgabe gemacht, dass die zu zahlenden 2000 Euro für die Zeugenholung bis zum 16. April 2014 überwiesen sein sollten. Das Geld ging aber erst mit Verspätung ein. Auf unsere Nachfrage bei der Geschäftsstelle am 29. April hieß es, es liege noch keine Zahlungsbestätigung der Gerichtskasse vor. Erst am 30. April war uns der Zahlungseingang durch die Gerichtskasse bestätigt worden. Wir setzten uns deshalb am 5. Mai 2014 mit der Gerichtsvollzieherin in Leer in Verbindung. Diese teilte uns mit, dass eine Überführung der Zeugen von Leer nach Köln innerhalb dieser kurzen Frist nicht mehr zu planen und durchzuführen sei.

HOLGER: Ich hab das Geld aber am 14. April überwiesen. Den Kontoauszug kann ich Ihnen vorlegen.

RICHTER: (ungläubig) Im Moment gehen wir erstmal davon aus, dass Ihre Zahlung verspätet war. Wie wir inzwischen in Erfahrung bringen konnten, ist der Geldeingang am 22. April bei der Gerichtskasse verzeichnet worden. Auch dies wäre ja ein verspäteter Eingang.

HOLGER: Moment mal, verstehe ich das richtig? Die Gerichtskasse hat den Geldeingang am 22. April verzeichnet – und Sie haben am 29. April, also 7 Tage später, von denen die Auskunft bekommen, das Geld sei nicht da?

RICHTER: Vergreifen Sie sich bitte nicht im Ton.

HOLGER: Aber die Schuld liegt ja wohl eindeutig nicht bei mir, ich habe mich an die Frist gehalten.

Mein Anwalt gibt mir Zeichen, lieber still zu sein.

ZIMMERMANN: (zum Richter) Wenn Sie am 5. Mai Kenntnis hatten, dass die Zeugen nicht geladen werden können, warum haben Sie uns denn nicht verständigt? Dann hätten wir uns den Weg heute sparen können.

RICHTER: Wieso? Wir wollen doch hier heute verhandeln, oder nicht?

FÜLLWOCK: Es ist doch in der Tat merkwürdig, dass Sie erst am 30. April von der Gerichtskasse die Auskunft erhalten haben, dass am 22. April das Geld eingegangen sei. Es scheinen hier auch Versäumnisse gerichtlicherseits vorzuliegen. Vor diesem Hintergrund ist wohl ein neuer Termin sinnvoll.

Nach einigem Hin und Her (es ging noch um einige Nebensachen wie die ordnungsgemäße Adresse der Zeugen) zogen sich die Richter dann kurz zurück. Und dann kamen sie wieder.

RICHTER: Also, wenn das Geld am 14. April überwiesen wurde, dann sollte man wohl davon ausgehen, dass es am 16. da war. Länger als einen Tag dauert eine solche Überweisung nicht. Sofern Sie das nachweisen können, muss es dann natürlich einen neuen Verhandlungstermin geben. (ins Diktiergerät) Zur heutigen Verhandlung sind die Zeugen nicht erschienen, da eine Zeugenholung nicht rechtzeitig möglich war. Die Beklagte gibt an, das Geld fristgemäß überwiesen zu haben und wird dafür einen Beweis erbringen.

FÜLLWOCK: Und bitte ergänzen Sie noch, dass die Gerichtskasse am 22. April den Eingang des Geldes verzeichnete, Ihnen aber bei Ihrer Nachfrage dies am 29. April nicht mitgeteilt wurde.

RICHTER: (zögerlich) Ja… hm… gut.

Nachtrag von mir noch: Das Geld wurde definitiv rechtzeitig überwiesen (am Abend des 14.4., abgegangen vom Konto ist es am 15.4.) Ich hatte sogar am 15.April noch dies getwittert:

tweetgeld

 

Diskussion im Forum

 


geschrieben am 08.05.2014 von Fernsehkritiker ·

Das Etappenziel ist erfreulicherweise erstmal erreicht! Ich habe – nicht zuletzt dank einer größeren Spende am Samstag – die nötigen Einnahmen zusammen, um dem Gericht die geforderten 2000 Euro zur Zwangsherbeiführung unserer Zeugen zu überweisen. Am kommenden Mittwoch wäre, wie erwähnt, der Stichtag gewesen. Der aktuelle Spendenstand steht jetzt bei 4011,88 Euro. DANKE AN ALLE SPENDERINNEN UND SPENDER!

14 weitere USB-Sticks sind damit nun noch vergeben worden. Da ich jetzt noch 19 Sticks übrig habe, geht die Spendenaktion weiter – auch im Hinblick darauf, dass dies vermutlich nicht die letzten Kosten waren, die ich zu begleichen hatte. Nachdem alle Sticks vergeben wurden, wird es keine weitere Produktion dieser USB-Sticks mit dem Fernsehkritik-TV-Logo mehr geben – weltweit gibt es dann also nur 100 Personen, die einen solchen Stick ihr Eigentum nennen können. Sobald die restlichen USB-Sticks aufgebraucht sind, werde ich dies natürlich sofort kommunizieren.

Für die Zeit danach bin ich gern offen für Ideen bezüglich weiterer Goodie-Aktionen – auch im Zusammenhang mit dem Komplettpaket von Massengeschmack. Bei der “Studio”-DVD ist langsam eine Sättigung eingetreten, wie mir scheint. Immerhin wird bald die zweite “Studio”-DVD erscheinen. Aber wenn es gute Ideen gibt, wie man auch Leute fürs Komplettpaket begeistern kann, die “Das Studio” nicht mögen, dann immer her damit.

Der Kampf geht weiter – leider auch finanziell! Und das nicht nur im Zusammenhang mit dem Supernanny-Prozess!

Diskussion zur Spendenaktion weiterhin HIER.


geschrieben am 13.04.2014 von Fernsehkritiker ·

So, übers Wochenende kam erfreulicherweise wieder ein Schwung Spenden herein. Ich habe seit dem letzten Zwischenstandsbericht weitere 768,50 Euro an Spenden bekommen. Zugleich wurden damit 23 weitere USB-Sticks vergeben. Auch dafür HERZLICHEN DANK an alle Spenderinnen und Spender!

Der Spendenstand insgesamt liegt jetzt somit bei insgesamt 2845,04 Euro. Um die aktuell anstehenden Anwalts- und Gerichtskosten zu begleichen, benötige ich allerdings rund 3800 Euro. Darin enthalten sind die 2000 Euro, die das Gericht bis zum 16. April überwiesen haben will, damit unsere Zeugen zwangsweise zum Gericht gebracht werden.

Ergo: So rund 1000 Euro innerhalb der nächsten sieben Tage wären toll! Ich bin einfach mal optimistisch, dass wir das schaffen…

Übrigens haben wir schon erste Nachfragen bekommen – sowohl was den Versand der USB-Sticks als auch den Versand diverser “Studio”-DVDs (für Komplett-Abonnenten) angeht. Keine Sorge: Jeder kriegt das, was ihm bzw. ihr zusteht. Da wir das nur nach und nach abarbeiten können, gehen ggf. mal zwei, drei Wochen ins Land. Bei den DVDs kam es zwischendurch zu einem Engpass, es sind aber bereits neue in Auftrag gegeben. Wir bitten um Verständnis für leichte Verzögerungen! Niemand wird vergessen!

Diskussion zur Spendenaktion weiterhin HIER


geschrieben am 07.04.2014 von Fernsehkritiker ·

wettendasslanz

“In den letzten Jahren hat sich im Showbereich sehr viel verändert.” Unter anderem mit diesem Satz begründet ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler die Entscheidung, “Wetten, dass…?” zum Jahresende einzustellen. Die “Sehgewohnheiten” hätten sich geändert, hieß es weiter in einer Pressemitteilung des ZDF. Der Aufwand der Show stehe nicht im Verhältnis zur Zuschauer-Resonanz.

Merken Sie was? Das ZDF übt null Selbstkritik. Himmler teilt sogar obendrein mit: “Großen Respekt habe ich vor Markus Lanz, der Redaktion und dem Produktionsteam.”

Himmler tut so, als sei bei “Wetten, dass…?” im Prinzip alles in Ordnung, die Show sei nach wie vor ein TV-Ereignis – nur der dumme Zuschauer kapiere das eben nicht, weil sich ja seine Sehgewohnheiten verändert hätten. Das ist natürlich Unfug.

Als Markus Lanz vor gerade mal eineinhalb Jahren das Ruder bei “Wetten, dass…?” übernommen hatte, lag die Show noch deutlich im zweistelligen Millionen-Bereich. Gottschalk hatte zwar auch ein paar Durchhänger, aber insgesamt war ein hohes Quoten-Niveau vorhanden. Das Team um Markus Lanz hat es also innerhalb von 18 Monaten geschafft, die Zuschauer derart massiv zu verjagen, dass nicht mal mehr die Hälfte der einst 13 Millionen zuguckten. Und das soll nur an veränderten Sehgewohnheiten liegen? 

Nein, die Fehler sind natürlich hausgemacht. Die Zuschauer sehnen sich nach gemeinsamen Kaminfeuer am Samstagabend – auch heute könnte “Wetten, dass…?” noch eine zweistellige Millionenzahl an Zuschauern erreichen. Quoten wie im Fußball oder beim “Tatort” sind natürlich auch im Showbereich möglich. Nur muss die Show es eben schaffen, sich interessant zu machen, zum Tagesthema zu werden, die Neugier der Zuschauer wecken – und all das vermochte “Wetten, dass…?” nicht mehr.

Gründe dafür gibt es mehrere:

1.) Die Show hat sich viel zu sehr auf den Moderator konzentriert. Dies ging zu Gottschalks Zeiten schon los, als dieser etwa in Senf baden musste oder sonstige Albernheiten. Bei Lanz wurde dies noch weiter auf die Spitze getrieben: Die “Lanz-Challenge” stellte den Moderator so in den Mittelpunkt, dass dieser dem als Person nicht gerecht wurde. Markus Lanz ist nun mal ein Moderator – mehr nicht. Er ist weder ein Star noch ein Entertainer. Der Star der Show sind die Wetten. Der Einzige, der das im Grunde wirklich verstand, war Frank Elstner selbst.

2.) Markus Lanz ist viel oft im Fernsehen. Seine Talkshow läuft dreimal pro Woche, dort interviewt er die teils unterste Schublade der deutschen Promi- und Celebrity-Welt. Lanz steht nicht für die A-Klasse des Fernsehens. Man kann nicht eine so niveaulose Talkshow moderieren und zugleich die bedeutendste Samstagabendshow. Der Zuschauer sieht in Lanz nicht den großen Showmoderator, sondern den, der andauernd Dschungel-Interviews führt und die FDP hofiert. Das kann nicht funktionieren.

3.) Ganz entscheidend ist der Fremdschäm-Faktor: Die Causa Tom Hanks hat “Wetten, dass…?” einen erheblichen Schaden zugefügt. Wir Deutschen fühlten uns als Nation blamiert und hätten uns am liebsten bei Tom Hanks persönlich dafür entschuldigt, dass er sich eine alberne Katzenmütze aufsetzen musste. Als dann auch noch Hollywood-Star Gerard Butler sich Eiswürfel in den Schritt kippen musste, war das Maß endgültig voll – zumal die legendär miese Mallorca-Ausgabe für diverse Zuschauer ohnehin den Schlusspunkt bedeutete. Zu Beginn der neuen Saison im Herbst 2013 teilte Markus Lanz zwar mit “Wir haben verstanden”, aber da war es zu spät.

4.) Fernsehen der absoluten A-Klasse – das zeichnete “Wetten, dass…?” viele Jahre aus. Wer Gast in dieser Show war, gehörte zur obersten Kategorie. Michael Jackson war da, Madonna war da, der Bundeskanzler war da, Tom Cruise war, Leonardo diCaprio und Steven Spielberg waren da. In keiner anderen europäischen Fernsehshow traten Stars solch eines Kalibers auf. Und was geschah dann in den vergangenen Jahren vermehrt? Comedians wie Atze Schröder wurden zu Dauergästen, selbst Dschungelcamp-Teilnehmer waren da. Die Show senkte eigenmächtig ihr hohes Niveau. Der Wechsel von Show-Titan Gottschalk zu TV-Moderator Markus Lanz markierte dies dann auch an der Spitze der Sendung.

Dass die Show nun eingestellt wird ist dennoch richtig, denn sie war nicht mehr zu retten. Die Zuschauer wären nicht mehr zurückgekommen – selbst wenn “Wetten dass…?” zu alten Qualitäten zurückgefunden hätte. Was wäre wohl gewesen, wenn damals Hape Kerkeling doch Ja gesagt hätte und er nun statt Lanz Präsentator der Show wäre? Tja, wenn das Wörtchen “wenn” nicht wäre…

Diskussion im Forum


geschrieben am 06.04.2014 von Fernsehkritiker ·

So, es ist seit Tagen überfällig, dass ich einen Zwischenbericht zur Spendenaktion zum Supernanny-Prozess gebe. Deswegen hier nun endlich eine kleine Wasserstandsmeldung:

Es hat mich bislang eine Spendensumme von 1932,54 Euro erreicht. 500 Euro davon waren bereits vor Beginn der Spendenaktion als Einzelspende für die Prozesskosten bei mir eingegangen, daher sind die hier nun mit berücksichtigt. Die restlichen 1432,54 Euro setzen sich zusammen aus diversen Spenden, von denen 44 Spender mindestens 25 Euro gespendet haben und daher den versprochenen USB-Stick geschickt bekommen (ein Teil ist bereits verschickt, die weiteren – insbesondere die mit Wunsch nach Autogrammkarten – werden in den kommenden Tagen auf den Postweg gebracht). Von den T-Shirts wurden bislang 12 Stück verkauft, das war also weniger der Hit. Die 144 Euro Soli-Zuschlag kämen noch hinzu, dann sind wir bei insgesamt 2076,54 Euro.

An dieser Stelle schon mal HERZLICHEN DANK!

Zur bitteren Wahrheit gehört aber leider auch, dass die Aktion weitergehen muss. Mit dem eingenommenen Geld kann ich die aktuelle Rechnung meines Anwalts begleichen und die der Gegenseite für die Gegendarstellung, dann ist die Kohle aufgebraucht. Und natürlich hat die Herstellung der FKTV-USB-Sticks auch Geld gekostet (100 Stück hatte ich anfertigen lassen, Kosten netto: 400 Euro).

Aber gerade aktuell kam ja schon wieder neue Post vom Gericht, die mich ehrlich gesagt vom Hocker gehauen hat:

beschluss260314_3

Ja, Sie lesen richtig: Da unsere Zeugen ja leider freiwillig nicht vor Gericht erscheinen, soll ich für die zwangsweise Vorführung satte 2000 Euro (!) bezahlen – und das, obwohl ich bereits 750 Euro im Vorwege gezahlt hatte. Wir reden hier also von insgesamt 2750 Euro! Mit den “mindestens vier Personen” sind vermutlich unsere Zeugen plus Begleitpersonen gemeint wie etwa Beamte, denn eigentlich haben wir ja nur drei Zeugen. Und wieso eine Übernachtung fällig werden sollte, erschließt sich mir auch nicht. Es stellt überhaupt kein Problem dar, innerhalb eines Tages von Ostfriesland nach Köln und wieder zurück zu fahren. Mein Anwalt erklärt mir zwar, dass ich überschüssiges, nicht verwendetes Geld zurückerstattet bekomme, aber deswegen muss ich es trotzdem erstmal bezahlen. Zudem war mir seinerzeit vor Gericht etwas anderes vorgerechnet worden. Auf meine damalige Nachfrage, was es denn etwa kosten würde, die Zeugen zwangsweise vorzuführen, wurde mir geantwortet, der Betrag liege bei etwa 1500 Euro – und zwar inklusive der schon gezahlten 750 Euro. Demnach hätte ich also noch 750 Euro zahlen müssen, nun sind es plötzlich 2000 Euro. Dazu kommt die Frist bis zum 16. April, ich habe also lediglich 14 Tage Zeit. Schön ist das alles nicht! Offensichtlich wird mir die Hürde so hoch gelegt, damit ich aufgebe – das werde ich aber nicht!

Immerhin einen kleinen Triumph kann ich nämlich vermelden: Die Gegenseite ist mit ihrem Antrag auf ein Teilurteil gescheitert. Ziel war es offensichtlich, mich einerseits zu zwingen, bereits jetzt Zensuren an dem umstrittenen Beitrag aus Folge 77 vorzunehmen und obendrein noch die Kosten weiter in die Höhe zu treiben, denn eine Aufsplitterung in zwei Verfahren würde den ganzen Spaß noch teurer machen. In diesem Punkt haben sich Schertz Bergmann also erstmal eine blutige Nase geholt. Hier nochmal in schriftlicher Form:

beschluss260314_1

Was bleibt ist also die bittere Erkenntnis, dass es mit der Spendenaktion weitergehen muss. Ich benötige 2000 weitere Euro innerhalb der kommenden 14 Tage, ansonsten geht dieser ganze bescheuerte Prozess für uns den Bach runter. Aber ich bin sicher, wir schaffen das!

Weiterhin gilt: Wer mindestens 25 Euro spendet, bekommt den limitierten USB-Stick (4 GB) inklusive einer Spezial-Ausgabe von “Das Studio”, die nicht auf Massengeschmack veröffentlicht wird. Ich bin auch offen für weitere gute Ideen bezüglich einer Spendenaktion. Vielleicht gibt es ja irgendetwas, was die Community so elektrisiert, dass sie dafür gern mal eine kleine Spende gibt – aber was?

usb-stick

Hier nochmal die Kontodaten:

Spenden per Paypal an [email protected]

Per Überweisung aufs Spendenkonto: Holger Kreymeier, Konto 1317468310, BLZ 20050550, Hamburger Sparkasse, IBAN DE69200505501317468310 , BIC HASPDEHHXXX

Vielen Dank für die Unterstützung!

Die Diskussion findet weiterhin HIER statt.


geschrieben am 02.04.2014 von Fernsehkritiker ·

bay_gericht

Während heute in Karlsruhe vom Bundesverfassungsgericht ein recht interessantes Urteil gesprochen wurde, fand vor dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof ein mindestens ebenso spannendes Verfahren statt. Denn während ARD und ZDF mit dem Karlsruher Spruch sicher gut leben können (das ZDF etwa möchte sich schon seit längerer Zeit vom zu starken Einfluss der Politik lösen), ging es München um die Grundlage der Öffentlich-Rechtlichen: den Rundfunkbeitrag.

Der frisch renovierte Saal 270 hatte technisch ein paar Tücken: Am laufenden Band fielen die Mikrofone aus, in die Antragsteller und Antraggegner sprachen. Der Spannung der Auseinandersetzung tat dies aber keinen Abbruch. Der Jurist Ermano Geuer (Fernsehkritik-TV hat ihn bereits im Januar 2013 interviewt) gehörte ebenso zur Seite der Kläger wie zwei Juristen der Drogeriekette Rossmann. Von seiten der Antragsgegner wurde ganz schön was aufgefahren: Juristen der Bayerischen Staatskanzlei, des Bayerischen Landtags, der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien, dem Bayerischen Rundfunk und dem ZDF waren gekommen, um ihrerseits zu argumentieren. Dies kann auf jeden Fall schon mal als kleiner Erfolg für die Kläger betrachtet werden, denn die Popularklage gegen den Rundfunkbeitrag war in der Anfangsphase nach dem Motto “gar nicht der Rede wert” von Politik und Sendern arrogant abgetan worden. Nun sah man sich offenbar doch genötigt, hier in entsprechender Anzahl zu erscheinen – schon allein deshalb, weil der Bayerische Verfassungsgerichtshof für diese Popularklage eine ausführliche Verhandlung mit mündlichen Stellungnahmen einberief – was nicht unbedingt die Regel ist bei dieser Art von Klagen.

Geuer argumentierte noch einmal, wie schon damals im Interview, auf mehreren Ebenen. Er betrachtet den Rundfunkbeitrag als eine Steuer – weshalb hier also die Bundesländer gar nicht zuständig sein dürften (der neue Rundfunkbeitrag von allen 16 Landesparlamenten verabschiedet worden). Außerdem zweifelt er an, ob es rechtens ist, dass ein Wohnraum als Einheit für einen Rundfunkbeitrag herangezogen werden kann. Selbst beim Auto spreche man deshalb von einer “Raumeinheit KfZ”, was Geuer ziemlich absurd findet. Die Gegenseite argumentierte, der Rundfunkbeitrag für alle pro Haushalt sei darum geschaffen worden, um die Regelung möglichst einfach zu gestalten. “Nur weil etwas einfach ist, muss es nicht verfassungskonform sein, und nur weil etwas kompliziert ist, kann es dennoch die bessere Regelung darstellen”, so Geuer. Die Frage sei eben, warum jemand womöglich einen Rundfunkbeitrag für zu Hause, fürs Auto und für den Betrieb zahlen müsse, obwohl er ja nur an einer der drei Stellen jeweils sein könne.

Von der Drogeriekette Rossmann waren zwei Vertreter gekommen, die hier für den gewerblichen Teil sprachen. VW beispielsweise muss sehr viel weniger Rundfunkbeitrag zahlen als Rossmann, weil VW seine Mitarbeiter auf wenige Standorte konzentriert, während Rossmann als Drogeriehandel logischerweise ein breit gestreutes Netz an Filialen hat. “Das verstehen wir nicht und halten es für ungerecht”, so Rechtsanwalt Holger Jacobj. Einen Rundfunkbeitrag pro Filiale zu erheben sei die falsche Herangehensweise. Rossmann muss seit der Einführung der neuen Rundfunkbeitrags rund 280.000 Euro Rundfunkbeitrag pro Jahr zahlen – vorher waren es “nur” rund 40.000 Euro.

Die Gegenseite argumentierte immer wieder mit der Einfachheit der Regelung – und da gehöre es eben dazu, dass möglicherweise manche dadurch stärker benachteiligt würden als andere. Dies sei vor allem den “neuartigen Empfangsgeräten” wie Smartphones und Tablets geschuldet. Der Vertreter des Bayerischen Rundfunks widersprach den Rossmann-Anwälten mit einer Studie, wonach gerade während der Arbeitszeit, also werktags zwischen 8 und 18 Uhr, das Radio besonders starke Zuhörerzahlen habe. Auch der Blog des Deutschlandfunks etwa werde zu diesen Zeiten stärker frequentiert. Dies gebe also Hinweise darauf, dass der Arbeitsplatz als Nutzer von öffentlich-rechtlichem Radio durchaus relevant sei. Von Rossmanns Seite kam daraufhin der süffisante Hinweis, dass die Kassiererinnen und Mitarbeiterinnen der Drogeriekette sicher anderes während der Arbeitszeit zu tun hätten als sich dem Blog des Deutschlandfunks zu widmen.

Insgesamt war es eine sehr interessante Auseinandersetzung auf hohem Niveau und mit gegenseitigem Respekt – was, wie gesagt, nicht von Anfang an so gewesen ist. Die neun Verfassungsrichter hielten sich weitgehend zurück, lediglich einmal wurde eine kritische Nachfrage gestellt – und die ging, wohl gemerkt, an die Vertreter für den Rundfunkbeitrag: Einer der Richter hakte noch einmal nach, was denn nun der Wohnraum an sich mit der Frage zu tun habe, warum man einen Rundfunkbeitrag zahlen soll. Eine wirklich schlüssige Antwort, außer den immer wiederkehrenden Verweis auf die Einfachheit der Erhebung, blieb man aus meiner Sicht schuldig.

Am 15. Mai soll das Urteil gesprochen werden. Mein Eindruck ist, dass die Richter zumindest den Befürwortern des derzeit geltenden Rundfunkbeitrags einiges ins Stammbuch schreiben werden – ob damit aber die Feststellung der Verfassungswidrigkeit einher geht, kann ich mir weniger vorstellen. Aber wer weiß…?

Ermano Geuer wird heute Abend um 18 Uhr auf unserer Veranstaltung in der MCAD Creative School, Richard-Strauß-Straße 26 in München, zu Gast sein und die Sachverhalte noch einmal aus seiner Sicht erklären. Wir sind noch nicht ausverkauft, spontanes Vorbeikommen ist also kein Problem. Eintritt: 3 Euro!


geschrieben am 25.03.2014 von Fernsehkritiker ·
« Vorherige Einträge